Mit Gott Kaffee trinken: Christsein im Alltag

Wer als Christ lebt, merkt, dass der Alltag mit Gott ein ziemliches Auf und Ab sein kann. Was kann man tun, um die Beziehung mit ihm auch unter der Woche am Laufen zu halten?

Vielleicht kennen Sie das: Am Sonntag erlebt man einen tollen Gottesdienst und Gott scheint ganz nahe. Am Montagmorgen ist das tolle Gefühl verflogen, der Chef hat schlechte Laune und Gott scheint mit dem Bürokleinkram wenig zu tun zu haben. Der Glaube gleicht einer Partnerschaft: Es gibt tolle Momente, in denen man einfach nur glücklich ist. Aber im Alltag läuft die Beziehung oft so nebenher. Gut, dass es Tipps gibt, wie man eine Beziehung im Alltag gestalten kann und den Partner nebenbei besser kennen- und lieben lernen kann. Gut, dass es solche Tipps auch für die Beziehung zu Gott und den Alltag mit ihm gibt.

Mehr als zehn Minuten Geschäftsbeziehung

Statistiken zeigen, dass Ehepartner manchmal nur zehn Minuten am Tag miteinander reden. Und dann geht es meistens darum, wer einkauft oder die Kinder in die Schule bringt. Das führt zu Frust – denn beide sehnen sich danach, vom anderen wahrgenommen zu werden und Aufmerksamkeit zu bekommen. In einer solchen Situation hilft nur eines: Zeit füreinander finden und wieder bewusst miteinander über die Dinge reden, die einem wichtig sind. Überträgt man das auf die Beziehung zu Gott, bedeutet das, dass man mit ihm im Gespräch bleibt. Oder anders ausgedrückt, dass man betet.

Gebet ist nichts anderes, als in Kontakt mit Gott zu bleiben und ihm z.B. sein Herz auszuschütten. Ihm zu sagen, wenn es Streit gibt, ein guter Freund krank wird oder Probleme im Beruf auftauchen. Das gleiche gilt für schöne Erlebnisse – ein erholsamer Urlaub, ein gutes Gespräch oder eine neue Freundschaft. Unserem Partner oder einem Freund würden wir es auch sagen, wenn uns eine Laus über die Leber gelaufen ist oder wenn ein Termin gut geklappt hat. Oder wir bedanken uns, wenn der andere uns geholfen hat. Genauso können wir es auch bei Gott machen. Er wartet nur darauf, dass wir uns alles von der Seele reden und bei ihm abgeben.

Gott benötigt unser Gebet nicht, damit er Bescheid weiß – er weiß ohnehin alles. Aber wir zeigen ihm auf diese Art und Weise, dass wir ihm vertrauen und dass er uns im Alltag wichtig ist. Da Gott in einer Beziehung mit uns leben möchte, freut es ihn, wenn wir ihn an unseren Gefühlen und Gedanken teilhaben lassen. Und: Im Gespräch mit Gott werden uns selbst manche Dinge auf einmal klarer. Oder wir bekommen Antworten auf unsere Fragen.

Jesus hat vorgelebt, wie eine solche enge Verbindung mit Gott aussieht. Er hat sich öfters von dem ganzen Trubel um ihn herum verabschiedet und allein gebetet (Lukas 5,16 und Lukas 6,12). Das tat er nicht, weil er viele Dinge von Gott haben wollte oder weil er seine Probleme gelöst bekommen wollte. In erster Linie kam es ihm darauf an, Zeit mit Gott zu verbringen. Diese Beziehung wiederum gab ihm die notwendige Kraft für seine Aufgaben.

Mit Gott Kaffee trinken

Oft hilft es, wenn man sich am Tag eine feste Zeit reserviert, um zu beten. Aber Gebet mit Gott umfasst viel mehr als eine Viertelstunde am Morgen oder am Abend. Ob ein kleines Stoßgebet beim Warten an der Kasse oder ein Gespräch mit Gott während der Autofahrt: Die Verbindung zu ihm besteht durchgängig. Mit Gott können wir immer reden. Er wartet jederzeit und überall mit einem offenen Ohr.

Beziehungspflege mit Gott kann auf verschiedene Weise geschehen. Dem einen tut ein Spaziergang gut, bei dem er mit Gott über das redet, was in seinem Leben gerade ansteht. Manche beginnen den Tag, indem sie ihren Kaffee trinken und dabei mit Gott sprechen. Andere schreiben ihre Gebete in Form eines Gebetstagebuchs auf – der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Wer es gerne abwechslungsreich mag, kann immer wieder etwas Neues ausprobieren.

Hör mir zu …

Eine Beziehung zwischen Mann und Frau kann nicht wachsen, wenn immer nur einer erzählt. Auch die Beziehung zu Gott kann nicht intensiver werden, wenn er keine Gelegenheit bekommt sich mitzuteilen. Deswegen gilt: Nicht nur selbst reden, sondern auch zuhören, was Gott zu sagen hat. Aber wie spricht Gott zu uns?

Gott teilt sich auf verschiedene Weise mit. Manchmal schenkt er einen tiefen inneren Frieden, der einem dabei hilft, eine schwierige Situation zu überstehen. Manchmal spricht er durch andere Menschen, indem sie einen trösten oder zu einer Entscheidung ermutigen. Vor allem aber spricht er durch die Bibel.

Sie erzählt von Gottes Wesen, seinem Willen und seinen Vorstellungen. Und sie berichtet von Menschen, die Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Die Evangelien zeigen beispielsweise, wie ein Leben nach Jesu Vorstellung aussieht. Die Geschichte von Abraham macht deutlich, wie treu Gott ist. Das Leben von Paulus zeigt, dass mit Gottes Hilfe Veränderung möglich ist.

Wer in der Bibel liest und mit Gott darüber spricht, wird merken, dass Gott durch diese alten Texte zu ihm redet. Das kann so aussehen, dass sich ein bisher unbekannter Zusammenhang neu erschließt und man auf einmal besser versteht, warum Gott so oder so gehandelt hat. Andere finden sich in einer der zahlreichen persönlichen Geschichten in der Bibel wieder und erkennen plötzlich, wie die Situation auf ihr eigenes Leben passt. Viele erleben auch, dass sie ein einzelner Vers besonders bewegt und Gott auf diese Weise direkt in ihr Leben hinein spricht.

Da manches in der Bibel nicht ganz leicht zu verstehen ist, kann es eine Hilfe sein, wenn man sich ein Bibellexikon oder einen Bibelkommentar anschafft. In ihnen findet man Informationen zur Zeitgeschichte und schwierige Verse werden erklärt. So genannte Bibellesepläne sind hilfreich, wenn man jeden Tag im Jahr ein kleines Stück in der Bibel lesen möchte und sich auch eine kurze Erklärung dazu wünscht.

Zu zweit allein – auf Dauer ein bisschen langweilig

Am Anfang einer Beziehung ist es normal, dass die meisten Paare ihre Zeit am liebsten zu zweit verbringen. Auf die lange Sicht tut es jedoch gut, wenn man auch mit anderen etwas unternimmt und den Kontakt zum Freundeskreis nicht abreißen lässt. Denn mit einem guten Freund oder einer guten Freundin kann man auch mal darüber sprechen, was in der Partnerschaft gerade nicht so gut läuft. Außenstehende können dabei helfen, den Partner besser zu verstehen oder einen Tipp geben, was man selbst anders machen könnte.

In der Beziehung zu Gott ist es ähnlich. Auch hier tut es gut, wenn man sich mit anderen Christen trifft oder gemeinsam betet und in der Bibel liest. In den meisten Städten und Orten gibt es Christen, die sich regelmäßig am Sonntag und unter der Woche treffen. Ob man sich dabei einer Landeskirche oder einer freien Gemeinde anschließt, bleibt der eigenen Prägung und Persönlichkeit überlassen. Ein Blick in den Kirchenfinder, einem Verzeichnis von Gemeinden in Deutschland, kann erste Anhaltspunkte liefern.

Besonders wenn Zweifel und Ängste da sind, hilft es, wenn man gemeinsam mit anderen Christen Antworten suchen und beten kann. Auch wenn alles gut läuft, redet Gott oft gerade dann, wenn mehrere zusammen in der Bibel lesen und füreinander beten (Matthäus 18,19-20). Manchmal ist man sich selbst auch gar nicht sicher, ob man Gott richtig verstanden hat, wenn ein Bibelvers zum Beispiel die Lösung für ein Problem zu zeigen scheint. Dann ist es wichtig, mit anderen Christen darüber zu reden und von ihren Einschätzungen zu profitieren. Außerdem ist es ermutigend, von ihren Erfahrungen zu hören und zu sehen, wie Gott in ihrem Leben schon gewirkt hat.

Teamwork

Einem Paar hilft es, gemeinsame Ziele und Träume zu haben. Sie sind ein Ansporn, auch in schwierigen Zeiten durchzuhalten. Eine gemeinsame Vision hilft dabei, zu überlegen, für was man Geld ausgeben möchte oder wo man sich ehrenamtlich einsetzen will. Das Tolle ist, dass das auch für die Beziehung zu Gott gilt. So wie die Bibel von Menschen erzählt, mit denen Gott Geschichte geschrieben hat, will er auch heute noch mit seinen Nachfolgern große und kleine Geschichte schreiben.

Wie kommt es dazu? Wer mit Gott lebt merkt, dass sich sein Leben verändert. Dinge, die einem früher gleichgültig waren, werden auf einmal wichtig. Oder man stellt fest, dass eine bestimmte Verhaltensweise oder Einstellung der Beziehung zu Gott im Weg steht. Andere Menschen bekommen einen neuen Stellenwert. Bei Entscheidungen bittet man Gott um Rat und fragt danach, was er möchte. Nach und nach entsteht so ein Leben, was Gottes Wesen immer mehr widerspiegelt.

Gott hat jedem Christen außerdem Begabungen und Talente geschenkt, die er einsetzen kann. Manche haben ein Herz für sozial schwache Menschen und arbeiten in einer Suppenküche mit oder betreuen kranke Familienangehörige. Andere können gut mit Kindern umgehen und erzählen ihnen im Kindergottesdienst etwas über Gott. Einige interessieren sich für Politik und sie engagieren sich in einer Partei usw. Gott wünscht sich, dass jeder Christ diese Fähigkeiten einsetzt, um seine Liebe sichtbar zu machen und andere Menschen dazu einzuladen, ebenfalls mit Gott zu leben.

Wer sich von Gott verändern lässt und seine Begabungen für Gott einsetzt, empfindet sein eigenes Leben oft als reich und erfüllend. Wie in einer Ehe ist dann die Gefahr geringer, dass die Beziehung zu Gott einschläft oder dass er einem fremd wird.

Wenn es kriselt

Die beste Partnerschaft erlebt schwierige Zeiten. Vielleicht merken die Partner beim ersten Kind, dass sie völlig unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie sie es erziehen möchten. Oder ein Partner wird arbeitslos und sieht keine Perspektive mehr für sein Leben. Manche Probleme sind hausgemacht, andere belasten die Beziehung von außen. Auch jeder Christ erlebt Zeiten, in denen es ihm schwer fällt, Gott zu verstehen oder ihm zu vertrauen.

Eine Ursache für eine solche Krise kann sein, dass man eine falsche Vorstellung von Gott hat oder enttäuscht ist, wenn er einen Wunsch nicht erfüllt. Ein anderes Mal kann es sein, dass Gott schweigt und sich eine schwierige Situation nicht verändert. Es gibt keine Patentantwort auf die Frage, was man in einer solchen Phase machen kann.

Folgende Punkte können eine Hilfe sein:

Manchmal hilft es, wenn man sich überlegt, ob man selbst etwas zu der Situation beigetragen hat: Hat man eine Entscheidung getroffen, von der man eigentlich wusste, dass sie nicht richtig ist? Oder war die eigene Karriere das Wichtigste und Gott kam unter ferner liefen? Dann ist es das Beste, Gott zu sagen, dass einem dieses Verhalten leid tut und dass man sich ändern möchte. Er schmollt nicht, sondern freut sich, wenn es mit der Beziehung wieder bergauf geht.

Manchmal lässt Gott schwierige Zeiten zu, weil er möchte, dass unsere Beziehung zu ihm tiefer wird. Oder er möchte sehen, ob es uns um einen Wohlfühlglauben geht oder um ihn. Für uns selbst können solche Zeiten deswegen manchmal auch eine Selbstoffenbarung sein.

Manchmal gibt es einfach keine Erklärung für das, was Gott tut oder auch nicht tut oder warum es in der Beziehung zu ihm kriselt. Hiob hat eine solche Phase in seinem Leben durchgemacht und in dieser Zeit mit Gott gerungen. David hat ebenfalls Ähnliches erlebt und in einigen seiner Psalmen verarbeitet. Wir können im Prinzip nur das Gleiche tun. Und wenn uns selbst der Glaube fehlt und wir nicht mehr beten können, können wir andere bitten, für uns zu glauben und zu beten.

Viele Paare, die eine Krise durchgestanden haben, erzählen, dass ihre Beziehung danach besser und intensiver war als davor. Auch der Glaube wird oft tiefer, wenn man in einer Krise an Gott drangeblieben ist. Manchmal erkennt man auch im Nachhinein, wofür sie gut war oder wie Gott auch in diesen Zeiten durchgetragen und gehandelt hat.

Gemeinsam alt werden

Den eigenen Alltag mit Gott zu gestalten, ist und bleibt eine Herausforderung. Man kommt nie an den Punkt, an dem alles wie von selbst läuft. Trotzdem lohnt es sich dranzubleiben. Es ist wie bei einem Ehepaar, das gemeinsam alt wird und bei dem sich keiner mehr ein Leben ohne den anderen vorstellen kann: Man kennt sich, man vertraut sich und man liebt sich. In der Beziehung mit Gott ist das gar nicht so viel anders.