Einfach nur glücklich sein: Der Sinn des Lebens

Gibt es sie noch, die Suche nach dem Sinn des Lebens? Oder wollen wir diese große Frage gar nicht mehr beantworten – und suchen letztlich nur noch eins: Das Glück?

42, so lautet die Antwort, die der Computer Deep Thought in dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf die Frage gibt, was denn der Sinn des Lebens sei. Dass die Antwort natürlich keineswegs befriedigend und äußerst sinnfrei ist, macht den Charme des Romans von Douglas Adams aus. Auf skurrile Weise wird ein philosophisches Problem aus der Welt geschafft, das noch bis ins letzte Jahrhundert Menschen durch alle Nationen und Klassen hindurch beschäftigt hat: Was ist der Sinn des Lebens? Warum bin ich auf dieser Welt? Wo komme ich her und wo gehe ich hin?

Heutzutage scheint diese Frage nach dem Sinn des Lebens viele Menschen nicht mehr so zu bewegen wie noch vielleicht vor 30 Jahren. Konsum und Lifestyle sind wichtiger. So zumindest das Ergebnis der Studie „Jugend unter Druck“ des Jugendforschers Bernhard Heinzlmaier, der Jugendliche im Alter von 11 bis 29 Jahren befragt hat.

Es geht darum, glücklich zu sein

Haben Menschen in vergangenen Jahrhunderten den Sinn des Lebens in der Religion oder in sozialen Utopien wie der des Marxismus gesucht, so geht es heutzutage eher um eine Lustmaximierung. Es geht darum, sich lebendig zu fühlen und das Leben zu genießen, wie Heinzlmaier in seiner Studie feststellt: „Wo ein das materielle Leben transzendierender (über das materielle Leben hinausreichender, Anm. d. Red.) Sinn fehlt, bekommt das intensive Erlebnis, die unmittelbare Leidenschaft im Hier und Jetzt, überragende Bedeutung. Dass ihnen ein tieferer Sinn, ein ideelles Lebensziel fehlt, ist vielen Jugendlichen überhaupt nicht bewusst, da ihnen die Bedeutung eines solchen für ein erfülltes Leben von den Erwachsenen nie vermittelt wurde.“

Demnach bleibt die Grundmotivation, die Menschen bislang nach dem Sinn des Lebens suchen ließ, unverändert: Letztlich geht es um ein erfülltes Leben. Es geht darum, glücklich zu sein. Das könnte ein Grund dafür sein, dass in den letzten Jahren immer wieder Bücher über das Glück auf den Bestellerlisten waren (z.B. Glück kommt selten allein, Hirschhausen; Hectors Reise: oder die Suche nach dem Glück, Francois Lelord).

Die glücklichsten Menschen der Welt

Auch die Glücksforschung ist ein Bereich der Wissenschaft, der immer mehr Aufmerksamkeit genießt und mit einigen interessanten Ergebnissen aufwartet. So leben nach einer Studie des Gallup Instituts die glücklichsten Menschen in Nigeria, gefolgt von Venezuela und Ghana. Dort bezeichnen sich 44 Prozent aller Menschen als glücklich.

Zum Vergleich: Der westeuropäische Durchschnitt liegt bei 24 Prozent. Die Menschen, die den leichtesten Zugang zu den Ressourcen des Glücks und damit zu einem erfüllten Leben haben, gehören also nicht unbedingt zu den glücklichsten. Der Titel der oben erwähnten Jugendstudie lässt das bereits ahnen: „Jugend unter Druck“.

Man könnte meinen, dass Menschen, die fieberhaft auf der Suche nach dem Glück sind, am weitesten davon entfernt sind. Im Hinblick auf den Sinn des Leben könnte man sagen: Der Mensch, der den Sinn seines Lebens selbst suchen muss, scheint sich eine schwere Bürde aufzuladen. Fanden Menschen in früheren Jahrhunderten den Sinn des Lebens im Glauben an Gott, an ein Leben nach dem Tod und in einer tiefen Verbundenheit mit ihrer Gemeinschaft, so zerbrechen diese Fixpunkte des Lebenssinns zusehends.

Den Sinn des Lebens, so scheint es, finden Menschen immer häufiger in ihrem persönlichen Glück. Eine gute Arbeitsstelle, eine kleine Familie, Gesundheit – all das gibt dem Leben Sinn und schenkt eine tiefe Zufriedenheit, Glück eben. Glück und Lebenssinn werden so mehr und mehr zu einer individuellen Angelegenheit. Glück definiert jeder für sich, Glück ist das, was man aus dem Leben macht. Es scheint, als sei der Spruch „Jeder ist seines Glückes Schmied“ zutreffender denn je. Doch was passiert mit den Menschen, denen es nicht gelingt, ihres Glückes Schmied zu sein, weil ihnen die Mittel fehlen oder weil sich das Leben manchmal nicht in starre Formen pressen lässt? Sind sie die Verlierer einer Gesellschaft, die das persönliche Glück zum höchsten Gut erhoben hat?

Sinnloses Gedankengut in der Bibel?

Dass die Suche nach Glück, Zufriedenheit und einem erfüllten Leben kein Phänomen der Neuzeit ist, zeigt bereits ein Blick in die Bibel. Auch in einer Gesellschaft, deren Weltbild durch und durch religiös geprägt ist, kommt der Lebenssinn nicht automatisch:„Der Mensch müht und plagt sich sein Leben lang, und was hat er davon? Die Generationen kommen und gehen; und die Erde bleibt, wie sie ist. Die Sonne geht auf, sie geht unter und dann wieder von vorn, immer dasselbe […] Du bemühst dich, alles, was geschieht, in Worte zu fassen, aber es gelingt dir nicht […] Ich, der Lehrer, war König über Israel und regierte in Jerusalem. Ich nahm mir vor, alle Dinge zu ergründen und zu begreifen. Ich wollte herausfinden, was für einen Sinn alles hat, was in der Welt geschieht. Doch was ist das für eine fruchtlose Beschäftigung! Gott hat sie den Menschen gegeben, damit sie sich mit ihr plagen. Ich beobachtete alles, was Menschen auf der Erde tun, und ich fand: Alles ist vergeblich. Es ist, als jagtest du dem Wind nach.“ (Prediger 1,3-14)

Selbst wenn also der große Kontext klar ist. Wenn es klar ist, dass es einen Gott gibt, ergibt sich der Sinn des Lebens nicht automatisch. Gott als abstrakte, als moralische Größe ist kein Garant für den Lebenssinn. Gott als philosophisches Konstrukt ist nicht ausreichend, wenn Menschen auf der Suche nach Glück und Lebenssinn Schiffbruch erleiden und mit Leid und Versagen klarkommen müssen. In seinem Buch „Das dialogische Prinzip“ schreibt der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Das Lebensglück findet der Mensch nur in der persönlichen Beziehung mit Gott

Und aus biblischer Sicht möchte ich hinzufügen: Alles wirkliche Leben ist Begegnung mit dem einen, wahren, lebendigen Gott. Und dieser Moment der Begegnung zieht sich durch die verschiedenen Bücher der Bibel wie ein roter Faden. Sei es Abraham, der von Gott berufen wird, sich auf den Weg in ein neues Land zu machen. Oder Paulus, dem der auferstandene Jesus begegnet und der sein Weltbild von Gott und dem, was ihm wichtig ist, total umkrempelt. Oder Mose, dem Gott einen Auftrag gibt, der sein Leben total auf den Kopf stellt.

Und auch wenn all diese Begegnungen den Menschen in einen größeren Kontext hineinführen, so beginnen sie doch auf sehr persönliche, sehr individuelle Weise. Den Sinn des Lebens, das Lebensglück finden die Menschen, von denen in der Bibel berichtet wird, in der persönlichen Begegnung mit Gott. So zum Beispiel Mose. Durch die Vorhersehung höherer Mächte wächst er als Hebräer am ägyptischen Königshof auf und ahnt früh, dass das alles kein Zufall ist und er zu etwas Besonderem berufen ist. Er nimmt mit dieser Ahnung die Dinge allerdings selbst in die Hand – und erleidet Schiffbruch. Als Mörder und Flüchtling muss er alle großen Pläne und Hoffnungen begraben. Resigniert richtete er sich in seinem Leben als unbedeutender Viehhirte in der Wüste ein. Und genau in dieser Wüste begegnet ihm Gott und zeigt ihm, dass die spannendsten Kapitel seines Lebens noch geschrieben werden.

Moses Lebenssinn lag nicht im vermeintlich idyllischen Leben eines Hirten, sondern im gefährlichen Auftrag eines politischen Freiheitskämpfers, der das Volk der Hebräer aus der Unterdrückung befreien muss. Dabei musste er sich nebenbei mit dem mächtigsten Mann der damaligen Welt anlegen. In diesem Auftrag fand er zwar kein einfaches glücklich-idyllisches Leben, aber eine tiefe Zufriedenheit und das Wissen, am richtigen Platz zu sein. Die persönliche Beziehung mit Gott war ihm wichtiger als ein Lebensglück, das nicht über die eigene Person hinaus von Bedeutung ist.

Vielleicht liegt hier auch der Grund dafür, dass in der Moderne Gott als Sinngröße für immer weniger Menschen wichtig ist. Gott wird als etwas wahrgenommen, was lediglich für den Fortbestand einer unliebsamen Institution von Bedeutung ist oder bestenfalls als moralischer Notnagel für eine Gesellschaft fungiert, in der auch Werte letztlich beliebig und individuell verhandelbar sind. Der moderne Mensch hat es verlernt, Gott als einem persönlichen Gott zu begegnen. Doch wie kann es wieder neu zu dieser Begegnung kommen? Wie findet der Mensch einen persönlichen Gott? Wo kann er ihm begegnen?

Kein Dauerritt auf Wolke Sieben

Nach christlichem Verständnis hat sich Gott in Jesus Christus offenbart. Das heißt, er hat sich ein Gesicht gegeben, hat deutlich gemacht, wie sein Charakter ist, was er will und wie man ihm begegnen kann.

Jesus war als Gottes Sohn ein Mensch, der auf der Erde lebte, mit seinen Freunden lachte, weinte und alles dafür gegeben hat, dass Menschen das Leben finden. Er hat deutlich gemacht, wie sehr Gott als Vater die Menschen liebt und sich wünscht, dass sie ihn wahrnehmen, erkennen und eine Beziehung mit ihm haben. Der Sinn des Lebens ist nun keine abstrakte Angelegenheit mehr, sondern hat einen Namen. Und das Geheimnis dieses Lebenssinns liegt darin, dass es nicht um das Festhalten an trockenen Dogmen und Glaubenssätzen geht, sondern um eine ganz reale und lebendige Beziehung.

Aus diesem Grund hängen nach christlichem Verständnis Lebenssinn und Lebensglück unweigerlich zusammen. Wer mit Jesus lebt und ihn erlebt, findet nicht nur Lebenssinn sondern auch Lebensglück. Jesus selbst spricht von einem derart erfüllten Leben, dass es an allen Ecken und Enden überläuft (Johannes 10,10).

Das bedeutet allerdings nicht, dass mit Jesus alles glatt läuft und man sich auf einem Dauerritt auf Wolke Sieben befindet. Jesus selbst musste durch schwierige Zeiten gehen und sein Tod am Kreuz hat nichts mit einem wohlig-warmen Gefühl persönlicher Zufriedenheit zu tun.

Trotzdem ist er diesen schweren Weg gegangen. Es war ihm wichtiger, alles dafür zu tun, dass seine Freunde dieselbe Beziehung zu Gott haben können wie er. Auch wenn das seinen eigenen Tod bedeutete. Glück für Jesus bedeutet, in einer vertrauensvollen Beziehung zu seinem Vater zu stehen und alles dafür zu tun, dass auch andere dieses Glück erleben können.

Lebensglück nach christlichem Verständnis kann einen also durchaus in Situationen führen, in denen man nicht glücklich im klassischen Sinn aber zutiefst erfüllt ist. Christen haben das über die Jahrhunderte hinweg immer wieder erlebt, so zum Beispiel der Theologe und Widerstandskämpfer im Dritten Reich, Dietrich Bonhoeffer, der im KZ in Flossenbürg hingerichtet wurde. Er sagte: „Nicht all unsere Wünsche, aber all seine Verheißungen erfüllt Gott!“ Deshalb gilt auch das Versprechen Jesu, dass Leben mit ihm eine ganz andere, neue Qualität haben wird.

Greifbares Lebensglück

Greifbar wird dieses Lebensglück nicht nur in den besonderen Momenten des Lebens, sondern auch im ganz normalen Alltag. Wer den Tag mit einem Gebet auf den Lippen beginnen kann, spürt, dass es keine unheiligen Momente im Leben gibt, sondern dass Gottes gute Gegenwart das ganze Leben durchdringt. Mit Jesus zu leben bedeutet, einen Adressaten für meine Wünsche, Sehnsüchte, aber auch Ängste zu haben. Und einen Ort, wo ich auch frei über meine Fehler und mein Versagen reden darf – und Hilfe und Vergebung finde. Das ist für mich Glück.

Damit Menschen die Liebe Gottes und das Lebensglück aber auch ganz praktisch erfahren können, hat Gott die Erfahrung seiner Gegenwart besonders an die christliche Gemeinschaft gebunden: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Matthäus 18,20). Hier wird Liebe, Glück und Fürsorge greifbar, wenn Menschen sich gegenseitig helfen und füreinander da sind. Und hier erfahren Menschen, die auf der Suche nach dem Lebensglück sind, auch, dass es manchmal das größte Glück ist, für andere da zu sein.

 



Sinnsuche praktisch

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