Strenger Richter, lieber Vater: Wie ist Gott wirklich?

Meine Vorstellung von Gott entscheidet darüber, wie ich mit ihm umgehe. Höchste Zeit, mein Bild von ihm genauer anzuschauen.

Hallo Gott, wer bist du?

Wenn es Gott gibt – wie ist er dann? Wie kann man sich ihn vorstellen? „Was ist seine E-Mailadresse?“, fragte einmal ein Mädchen in einem christlichen Internetforum.

Es gibt sehr verschiedene Vorstellungen von Gott. Ein Bild, das Menschen immer wieder von Gott haben, könnte man mit einem alten, liebevollen Opa beschreiben: Geduldig hört er lächelnd alle deine Probleme an und sagt immer wieder: „Mach es so, wie du es am besten findest.“ Keine Vorwürfe, keine Kritik, keine Regeln. Einfach Liebe.

Eine andere Vorstellung, die Menschen von Gott haben, ist das genaue Gegenteil: Der strenge Vater. Er beobachtet genau alle deine Taten und hält dir immer wieder vor, wie falsch du doch alles machst. Er will Leistung sehen. Hier wird das Bild eines Vaters beschrieben, der dich nur zu mögen scheint, wenn du dich dafür würdig erwiesen hast – aber für den man eigentlich immer zu schlecht ist. Von einem solchen Vater bekommt man keine Liebe, sondern nur Kritik und strenge Regeln.

Mein Gottesbild und ich

Wie ich mir Gott vorstelle, steht in einer direkten Beziehung zu mir selbst: Mein Gottesbild beeinflusst mein Denken und mein Handeln. Wenn Gott weit weg ist und ich denke, dass er mir nicht zuhört, dann brauche ich von ihm keine Hilfe erwarten. Wenn Gott ein strenger Vater ist, kann es sein, dass ich irgendwann nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Denn Gott bringt dann mehr Schlechtes als Gutes in mein Leben: Angst und Leistungsdruck.

Aber woher weiß man, welche Vorstellung von Gott stimmt? Und sagt die Bibel nicht selbst, dass ich mir keine starre Vorstellung von ihm machen soll ? (2.Mose 20,4) Ist meine Vorstellung, die ich mir von Gott mache, nicht immer menschlich und fehlerhaft? Außerdem kann ich als Mensch nicht festlegen wie Gott ist, denn ich kann Gott nie vollkommen begreifen. Ich kenne nur das, was am Himmel, auf der Erde und im Meer ist. Er aber steht außerhalb davon.

Es wird deutlich: Will ich mir ein Bild von Gott machen, muss es mir geschenkt werden. Gott muss mir selbst zeigen, wie er ist. Und das tut er nach christlichem Verständnis auch. Demnach zeigt sich in der Bibel, wie Gott erlebt und erfahren wurde, und was er selbst über sich gesagt hat. Dieses Bild von Gott soll im Folgenden ansatzweise vorgestellt werden.

Gott zeigt sich als Schöpfer

Gott ist nach der Bibel ein Geist, der ewig, unsichtbar und unveränderlich ist. Und gleichzeitig auch allwissend und allmächtig. Allein durch ihn ist die ganze Welt entstanden. Er allein ist der Ursprung allen Lebens (Hebräer 11,3). Als Schöpfer muss sich Gott auch niemandem gegenüber für seine Taten rechtfertigen (Jesaja 40,13-15). Ein Grund dafür ist, dass wir als Geschöpfe sein Handeln mit unserer begrenzten Sicht nicht immer verstehen können. So sagt Gott in der Bibel: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und meine Wege sind nicht eure Wege. Denn wie der Himmel die Erde überragt, so sind auch meine Wege viel höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ (Jesaja 55,8-9) Das heißt: Auch wenn wir Gott nicht immer verstehen können, können wir ihm vertrauen.

Dass wir Gott vertrauen können, unterstreicht Jesus an anderer Stelle. Denn Gott kümmert sich sogar um die Details meines Lebens. Der Gedankengang: Gott stattet schon die Blumen mit großer Schönheit aus. Und er kümmert sich um kleine, unbedeutende Spatzen. Weil der Mensch jedoch noch wertvoller ist als Blumen und Spatzen, kann er sich sicher sein, dass Gott sich auch um ihn kümmert (Matthäus 6,25-34). Ich brauche mir also keine Sorgen zu machen, weil ich Gott vertrauen kann.

Gott zeigt sich als Retter

Konkret beweist Gott durch seine Taten, dass er es ernst meint, wenn er den Menschen seine Hilfe anbietet. Der Mensch, der sich auf Gott verlässt, darf mit Gottes Hilfe rechnen und sie erleben. Gott interessiert sich für den Menschen und seine Nöte. Er möchte dem Menschen helfend zur Seite stehen. So wurde in der Bibel festgehalten: Alle, die sich dir [Gott] anvertrauen, werden vor Freude jubeln! Wer dich als Retter kennt und liebt, wird immer wieder rufen: „Groß ist der Herr!“ (Psalm 40,17)

Bei Gott erfährt der Mensch Rettung und Fürsorge. Er kann dem Menschen geben, was er braucht, weil er allmächtig ist und seine Geschöpfe durch und durch kennt (Matthäus 10,30). Es gibt bei Gott auch keine Grenze oder Einschränkung seiner Hilfe. Mit allem, was den Menschen belastet, kann er zu Gott kommen: Ungerechtigkeit, Sorgen, Ängsten, eigenes Versagen und Schuld, Sinnfrage des Lebens, Krankheit, Depression etc. Gott verspricht zwar nicht, alle Wünsche des Menschen zu erfüllen, aber ihm in seinen Problemen zu helfen und sich um ihn zu kümmern.

Gott weist auch darauf hin, dass es sinnlos ist, wenn Menschen ihre ganze Hoffnung auf vergängliche Dinge oder andere Menschen setzen: „Ich möchte, dass ihr mich kennt und mir vertraut. Ihr sollt begreifen: Ich bin der einzige Gott. Es gibt keinen Gott, der vor mir da war, und es wird auch in Zukunft nie einen anderen geben. Ich, der Herr, bin der einzige Gott. Nur ich kann euch retten. Ich habe es euch wissen lassen und euch immer geholfen. Durch die Propheten habt ihr von mir gehört. Habt ihr je einen anderen Gott mit solcher Macht gekannt? Ihr seid Zeugen, dass ich allein Gott bin.“ (Jesaja 43,10-12)

Gott zeigt sich als Richter

Gott tut dem Menschen aber nicht nur etwas Gutes, indem er ihm bei Problemen hilft. Er gibt ihm auch Orientierung und Regeln. Dass gerechte und weise Gesetze eine große Hilfe sind, wird in unserer Welt deutlich: Jede Gesellschaft besitzt gewisse moralische Richtlinien. Ohne Gesetze und Gerichte, die Regeln für eine Gesellschaft verbindlich machen, herrscht schnell das Recht des Stärkeren. Der Schwächere ist dann nicht mehr viel wert und ist hilflos Korruption und Ungerechtigkeit ausgeliefert. Auch Gottes Gesetze haben diesen Zweck. Was im Kleinen auf unserer Welt menschliche Regierungen bewirken sollen, tut Gott als Richter im Großen.

Gott wird in der Bibel als moralisch vollkommen gut beschrieben: „Alles, was Gott uns gibt, ist gut und vollkommen. Er, der Vater des Lichts, ändert sich nicht; niemals wechseln bei ihm Licht und Finsternis.“ (Jakobus 1,17) Weil Gott vollkommen gut ist und sich nie ändert, kann er auch den Maßstab dafür setzen, was für uns Menschen gut ist und was gerechtes Verhalten bedeutet. Gottes Gesetze kann man dabei so zusammenfassen: „Der Herr hat euch doch längst gesagt, was gut ist! Er fordert von euch nur eines: Haltet euch an das Recht, begegnet anderen mit Güte, und lebt in Ehrfurcht vor eurem Gott!“ (Micha 6,8)

Eines Tages wird Gott darum auch diese Welt und alle Menschen gerecht richten und seine vollkommene Gerechtigkeit durchsetzen. In einem Brief des Neuen Testamentes bekennt der Verfasser Petrus: „Wir alle aber warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, die Gott uns zugesagt hat. Wir warten auf diese neue Welt, in der es endlich Gerechtigkeit gibt.“ (2. Petrus 3,13)

Gott zeigt sich als Vater 

In dem Bild des Vaters wird Gottes Sicht für den Menschen noch deutlicher: Nach der Bibel möchte er uns wie ein Vater durch das ganze Leben hindurch begleiten. Der Mensch sehnt sich nach Zuwendung und Geborgenheit, was besonders im Kindesalter zu erkennen ist. Aber auch als Erwachsener ist diese Sehnsucht nicht verschwunden. Gott möchte diese Person sein und diese Sehnsucht stillen. Mit ihm ist der Mensch nie alleine, sondern darf Geborgenheit erfahren. So sagt Gott in der Bibel zu den Israeliten, denen er sich auf besondere Weise offenbart hatte: „Hört mir zu, ihr Nachkommen Jakobs, alle, die ihr von Israel noch übrig seid! Von Anfang an habe ich euch getragen, seit eurer Geburt sorge ich für euch. Ich bleibe derselbe; ich werde euch tragen bis ins hohe Alter, bis ihr grau werdet. Ich, der Herr, habe es bisher getan, und ich werde euch auch in Zukunft tragen und retten.“ (Jesaja 46,3-4)

Gott möchte in einer sehr persönlichen Beziehung zu seinen Geschöpfen leben. Wie ein guter Vater für seine Kinder sorgt, ihnen Orientierung bietet und sie beschützt, wünscht sich Gott diese Beziehung auch mit dem Menschen. Gleichzeitig lässt Gott dem Menschen aber die Freiheit, in dieser Vater-Kind-Beziehung zu leben oder nicht. Er engt den Menschen in seiner Liebe nicht ein.

In dem bekannten Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15) wird diese Haltung Gottes besonders gut verdeutlicht: Der Vater (Gott) besitzt alle Fülle, die er seinem Sohn (dem Menschen) freigiebig vollkommen schenkt. Der Sohn aber möchte mit ihm nichts mehr zu tun haben. Er möchte lieber entdecken, was die Welt außerhalb seiner Heimat und dem väterlichen Hof zu bieten hat. Der Vater lässt ihm diese Freiheit, nimmt seinen Sohn aber in großer Freude wieder auf, als dieser später zu ihm zurückkehrt, weil er merkt, dass es ihm in der Fremde schlechter geht als zuhause. Gottes Vaterliebe zeigt sich also auch darin, dass er barmherzig ist und Schuld gerne vergibt, wenn ein Mensch seine Schuld eingesteht und zu Gott umkehrt.

Gott zeigt sich als Liebe 

Es wird in der Bibel sogar klar, dass Gott den Menschen nicht nur liebt, sondern dass er Liebe ist. Gottes Handeln und Sein ist völlig durchdrungen von Liebe. Bei Gott gibt es keinen Widerspruch zwischen dem, was er ist und dem, was er tut. Alles, was Gott tut, geschieht aus Liebe, weil Gott die Liebe ist.

Von Gott brauchen wir Liebe nicht zu fordern. Wir brauchen uns auch nicht anstrengen, um sie zu verdienen. Er gibt sie uns freiwillig. Immer. Allen Menschen. Es kann sein, dass die Taten eines Menschen Auswirkungen auf seine Beziehung zu Gott haben und Gottes Liebe beispielsweise nicht zu dem Menschen durchdringen kann. Aber dennoch ist Gottes Liebe zum Menschen immer gleich. Denn sie ist bedingungslos.

Am deutlichsten wird diese Liebe Gottes dadurch, dass Gott für den Menschen alles gab, was er hatte. So heißt es in der Bibel: „Die Liebe kommt von Gott […] denn Gott ist Liebe. Gottes Liebe zu uns ist für alle sichtbar geworden, als er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben können. Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt.“ (1. Johannes 4,7-10) Gott spricht nicht nur davon, dass er den Menschen von ganzem Herzen liebt, sondern er beweist es, indem er dem Menschen das Kostbarste gibt, was er hat: seinen Sohn Jesus Christus.

In Jesus zeigt Gott sein Wesen als Vater auch in besonderer Weise. Denn Jesus bezeugt gegenüber seinen Nachfolgern: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen. […] Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir ist? Was ich euch sage, habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Mein Vater, der in mir lebt, handelt durch mich. Glaubt mir doch, dass der Vater und ich eins sind.“ (Johannes 14,9-11) Jesus Christus spiegelt Gott vollkommen wider, weil er in völliger Vertrauensbeziehung und Gemeinschaft mit Gott lebt. In den Evangelien kann man noch heute nachlesen, wie Jesus gelebt hat und dadurch verstehen, wie Gott wirklich ist. Denn „Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes.“ (Kolosser 1,15)

Mein Gottesbild im Wanken

Wie kann ich ein realistisches „Bild“ von einer Person bekommen? Indem ich mit anderen Menschen über sie rede, mich über sie informiere und ganz besonders auch dadurch, dass ich selbst in Beziehung zu ihr trete. Voraussetzung ist aber, dass ich selbst bereit bin, mein Bild von dieser Person ins Wanken bringen zu lassen. Ich muss bereit sein, mich völlig auf diese Person einzulassen – egal, ob mein Bild von ihr dadurch bestätigt oder widerlegt wird. So ist das auch mit Gott.

Über Gott informieren

Kurz gesagt ist dieser Artikel eine Darstellung darüber, wie sich Gott in der Bibel vorstellt. Aber er ist weder vollständig noch sehr detailliert. Wer selbst in der Bibel liest, kann in der Beziehung zu Gott wachsen. Dabei ist es wichtig, die Berichte, die in der Bibel gesammelt wurden, nicht nur als früheres Wirken Gottes zu verstehen, sondern sich bewusst zu machen, dass Gott damals wie heute derselbe ist.

Gott durch andere Menschen entdecken

Jeder Mensch ist ein einzigartiges Geschöpf Gottes, in dem sich Gottes Schöpferkraft und Kreativität reflektiert. Christen, die Gott in ihr Leben miteinbeziehen, können mit ihren Erfahrungen von Gott helfen, Gott und die Bibel besser zu verstehen und die eigene Beziehung mit Gott zu leben: Man kann zusammen beten, die Bibel lesen und sich austauschen. So kann man einander in Liebe und Nächstenliebe begegnen und der gelebten Beziehung mit Gott Ausdruck verleihen. Es kann für den eigenen Glauben auch eine Hilfe sein, Biographien von Menschen zu lesen, die Gott in heutiger Zeit oder in früheren Zeiten erfahren haben.

Gott persönlich begegnen

Entscheidend aber ist, mit Gott selbst in Kontakt zu treten, um ihn kennenzulernen. Man kann mit ihm reden und ihn bitten, dass er sich im eigenen Leben bemerkbar macht. Wichtig ist es, sich Gott gegenüber zu öffnen: ihm zu vertrauen und ihn und seine Maßstäbe soweit ernst zu nehmen, wie man es zum gegebenen Zeitpunkt kann. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass man Gott von seinen Problemen erzählt und ihn bittet, einzugreifen – auch wenn man sich noch nicht sicher ist, ob man Gott vertrauen kann. Oder man kann jeden Tag zehn Minuten die Bibel lesen und dann versuchen, das praktisch umzusetzen, was man als richtig erkannt hat. Am besten startet man dafür in einem der Evangelien. Christen glauben also, dass Gott in der Bibel selbst zeigt, wie er ist. Und diesen Gott kann jeder Mensch kennenlernen und entdecken, dass er Realität ist.