Warum, Gott?

Wenn Gott gerecht, liebevoll und allmächtig ist, warum lässt er dann Leid zu? Eine alte und dennoch brandaktuelle Frage. Sie bleibt ohne Lösung – und doch nicht ohne Hoffnung.

„Wenn mein Leben nur daraus besteht, anderen zur Last zu fallen oder gehänselt zu werden, dann hat es keinen Sinn.“Diese traurige Bilanz zieht Nick Vujicic über sein Leben. Er ist gerade mal acht Jahre alt, als er zum ersten Mal über Selbstmord nachdenkt. Mit zehn versucht er, sich das Leben zu nehmen. Nick wird ohne Arme und Beine geboren. Ohne fremde Hilfe kann er nicht einmal seine Spielzeugkiste öffnen. Seine Eltern lieben ihn und doch hat er das Gefühl, nur eine Last zu sein. In der Schule wird er gehänselt und verspottet. Nick wird die Frage nicht los: Warum lässt Gott das zu? Warum hat er mich so gemacht?

Die Frage danach, wie ein liebender Gott Leid zulassen kann, beschäftigt viele Menschen auf der Welt. Es ist eine uralte Frage, die sich seit Menschengedenken jede Generation stellt. Unter dem Begriff Theodizee2 zusammengefasst, beschreibt sie den Versuch, die Vorstellung eines liebenden und allmächtigen Gottes mit dem Leid und den Grausamkeiten in der Welt in Einklang zu bringen: Wenn es einen liebenden und allmächtigen Gott gibt, warum hilft er dann nicht? Interessiert ihn das Leid nicht? Dann wäre er kein liebender Gott. Kann er nicht eingreifen? Dann wäre er nicht allmächtig. Die Theodizee-Frage stellt mich also vor einen Widerspruch. Was mache ich nun damit? Als Christ versuche ich, in der Bibel eine Antwort auf diese Frage zu finden. Das möchte der folgende Artikel tun.

Wenn ein ganzes System krankt

Es ist offensichtlich: Rund um den Globus leiden Menschen. Ob Männer oder Frauen, Erwachsene oder Kinder, arm oder reich. In jeder Nation und jeder sozialen Schicht leiden Menschen körperlich oder seelisch – der eine verliert sein Kind, ein anderer wird todkrank, ein weiterer wird von seinem Arbeitgeber ausgebeutet. Das Leid trifft den Menschen ganz ohne Ansehen der Person. Ein Blick in die Fernsehnachrichten oder die Tageszeitung genügt, um zu merken: Diese Welt hat ein Problem. Das ganze System krankt und es ist keine Heilung in Sicht.

Das Leid ist aus der Welt nicht mehr wegzudenken. Schon allein, weil kein Mensch perfekt ist. Ich füge mir beispielsweise selbst Leid zu, indem ich unachtsam Auto fahre und einen Unfall baue. Genauso meinem Beifahrer, der gar nichts für die Folgen meines Handelns kann. Leid ist häufig selbst- oder fremdverschuldet.

Doch Leid wird nicht nur durch Unachtsamkeit verursacht, sondern auch aus der eigenen Entscheidung heraus. Jeder Mensch hat die Freiheit, sich für oder gegen das Böse zu entscheiden. Das beginnt nicht erst beim Mord oder Ehebruch, sondern schon im Kleinen: Wenn ich meine schlechte Laune an meinem Partner auslasse, füge ich ihm schon Leid zu. Hier könnte man auch fragen: Warum lassen Menschen eigentlich Leid zu? Oder wie steht es mit den Lebensmitteln, die ich einkaufe? Bei den wenigsten kann ich nachvollziehen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden. Ich weiß, dass Tausende von Menschen unter Ausbeutung leiden, die ich mit meinen Einkäufen unterstütze. Leid und Schuld fängt schon im Kleinen an, bei mir ganz persönlich. Warum das so ist, erklärt die Bibel auf ihren ersten Seiten.

Die Herkunft des Leids aus biblischer Sicht

Die Bibel schildert, dass der Zustand der Erde einmal anders war (1. Mose 2,8-25). Gott, Mensch, Natur und Tier lebten in Frieden miteinander. Es gab keinen Hunger, keine Naturkatastrophen, keinen Beziehungsstress, nicht einmal schlechte Gedanken. Adam und Eva lebten das perfekte Leben. Bis zu diesem einen Tag, an dem sie sich entschieden, Gott den Rücken zu kehren (1. Mose 3). Durch diesen Vorfall, dem sogenannten Sündenfall, gaben die Menschen demjenigen Raum und Macht, der vorher keine hatte: dem Teufel. Das hat bis heute schwerwiegende Auswirkungen auf die ganze Welt:

  • Die Beziehung zwischen Gott und Mensch ist zerstört. Gott, der vollkommen gut und heilig ist, kann mit Menschen, die unrein geworden sind, nicht mehr zusammenleben (1. Mose 3,23f3. Mose 11,45).
  • Die Natur krankt: Der Erdboden ist verflucht, die Natur leidet (1. Mose 3,17fRömer 8,20-22).
  • Der menschliche Körper krankt: Der Mensch war dazu gemacht, ewig zu leben. Doch nun zerfällt sein Körper mit den Jahren. Menschen werden krank und vererben Krankheiten. Jeder muss irgendwann sterben (1. Mose 2,17).
  • Das menschliche Herz krankt: Adam und Eva lernen den Zustand ihres Herzens kennen, wenn Gott nicht da ist: voll Scham, Angst, Unsicherheit, Neid, Unzufriedenheit, schlechten Gedanken (1. Mose 3,7.104,3-81. Mose 6,5f). Jeder Mensch nach Adam und Eva kann sich sein Herz nicht mehr anders vorstellen.
  • Das tägliche Leben wird zur Last: die Arbeit ist mühevoll, die Frau muss unter Schmerzen Kinder gebären, der Mann herrscht über die Frau. All das sind Folgen der Sünde (1. Mose 3,16-19).

Da niemand frei von diesen Dingen ist, spricht man auch von „Erbsünde“. Der Begriff will verdeutlichen: Der Mensch ist von Geburt an von Gott getrennt und fähig, Böses zu tun. Dieses Übel bekommt jeder Mensch sozusagen mit in die Wiege gelegt.

Diese Hinweise aus der Bibel geben eine erste Teilantwort: Das Leid der Menschheit, die Ursache für unser defektes Welt- System, ist zurückzuführen auf den Menschen, der sich entschieden hat, dem Bösen mehr Raum zu geben als Gott.

Aber mal ehrlich: Ist das gerecht? Was kann ich dafür, dass ich in eine böse und nicht in eine perfekte Welt hineingeboren werde? Die Geschichte über den Sündenfall erklärt mir, warum die Welt im Allgemeinen leidet. Aber warum leide gerade ich?

Mein persönliches Leid: eine Strafe für meine Schuld?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Leid sei eine Strafe für die eigene Schuld. So kann man in den Geschichtsbüchern des Alten Testaments nachlesen, dass es dem Volk Israel oft dann wirtschaftlich und politisch gut ging, wenn sie auf Gott hörten. Dagegen folgten Krieg und Unterdrückung, wenn sie andere Götter anbeteten (z.B. Richter 2,18-198,33-35). Ein Stück weit ist dieses Tun-Ergehen-Prinzip auch auf heute übertragbar: Halte ich mich zum Beispiel an Gottes Gebot, nicht die Ehe zu brechen oder nicht zu töten, bleibt mir viel Leid erspart.

Dennoch gerät dieses Prinzip schnell an seine Grenzen. So machten gerade die Menschen, die treu nach Gottes Willen lebten, besonders viel Leid durch. Einer von ihnen ist Jeremia. Er setzte sein Leben dafür ein, Gottes Botschaft zu verbreiten und verzweifelte fast daran, dass es ihm dennoch so schlecht ging. Das ganze Buch der Klagelieder handelt von seinem Ringen mit diesem Zwiespalt.

Auch Asaf, der Verfasser des Psalms 73 stellt fest: „Es machte mir zu schaffen, als ich sah, wie gut es den Gottlosen geht. Bis zu ihrem Tod leiden sie keine Qualen, und wohlgenährt ist ihr Bauch. […] Ich werde ja doch den ganzen Tag vom Unglück geplagt, jeder Morgen ist bereits eine Strafe für mich!“ (Psalm 73,3-4.14). Diese Bibelstellen machen klar: Oft leidet der Gute und dem Bösen geht es gut. Warum das so ist, bleibt offen.

Noch etwas wird deutlich: Die Menschen, die Gott nahestanden, klagen Gott ihr Leid. Sie behalten es nicht für sich oder wenden sich wortlos von Gott ab. Vielmehr suchen sie die Konfrontation mit ihm, ringen mit ihm. Dieses Angebot besteht auch für mich. Ich darf Gott mein Leid klagen und ihm meine Gedanken, meine Unverständnis und meinen Ärger bringen. Er sucht diesen Kontakt zu mir, besonders im Leid. Wie ist das bei mir: Treibt mich mein Leid in die Arme Gottes oder genau in die andere Richtung?

Not lehrt beten – oder fluchen

Die Bibel betont gleich drei Mal, dass Hiob ein frommer, rechtschaffener und gottesfürchtiger Mann war, der das Böse vermied (Hiob 1,1.82,3). Kein Wunder, könnte man meinen, er war auch überdurchschnittlich reich gesegnet. Er hatte eine Frau, viele Kinder und ein stattliches Vermögen. Als ihm all das genommen wird, er krank wird, seine Kinder sterben und er seinen Wohlstand verliert, zeigte sich, wie viel Gottvertrauen wirklich in ihm steckt. Lehrt die Not ihn beten, oder fluchen? Die Bibel berichtet: „In diesem allen sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott.“ (Hiob 1,22). Hiob blieb Gott treu. Er war der Meinung: Wenn wir das Gute von Gott annehmen, warum dann nicht auch das Schlechte? (Hiob 2,10) Seine Frau war anderer Meinung. Sie wollte plötzlich nichts mehr von Gott wissen (Hiob 2,9).

Wertvoller als Geld und Gesundheit

Am Ende der Geschichte erhält Hiob keine Antwort auf das Warum. Aber auf das Wozu: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber nun hat mein Auge dich gesehen.“ (Hiob 42,5)

Gott gibt ihm keine rationale Erklärung für sein Leid. Dafür lernt Hiob Gott persönlich kennen und wächst so in seinem Glauben. Gott nutzt das Leid, um ihn auf Herz und Nieren zu prüfen und ihn in seinem Vertrauen zu Gott wachsen zu lassen. Eine Erfahrung, die für Hiob wertvoller war als Gesundheit und Reichtum. Und Gott belässt es nicht dabei. Er segnet Hiob später umso mehr.

Ein Zwischenfazit

Die Bibel gibt viele Teilantworten, wenn es um das Leid des Menschen geht. Sie erklärt, wodurch das Leid in die Welt kam, sie macht klar, dass Gott die Macht hätte, das Leid zu verhindern. Zum anderen zeigt sie, wie Gott das Leid des Menschen zum Guten nutzt: Er prüft sie und zieht sie zu sich. Dennoch gibt die Bibel keine endgültige Antwort auf alle Fragen. Manches bleibt offen: Wo kommt das Böse überhaupt her? Warum verhindert Gott das Leid nicht grundsätzlich? Warum leiden manche Gerechte und Ungerechten geht es oft gut?

Auch intelligente und gelehrte Männer wie der Philosoph G. W. Leibniz können den Widerspruch nicht auflösen. Leibniz versuchte die Theodizee-Frage damit zu erklären, dass diese Erde die bestmögliche aller Welten sei, die Gott hätte schaffen können. Das Übel sei zudem notwendig, damit das Gute überhaupt als gut erkennbar sei. Oft sei das Übel nur scheinbar. Er räumt auch ein, dass diese Welt nicht perfekt ist, ist aber der Ansicht, die Welt habe hinsichtlich des Leids Entwicklungspotential.3 Leibniz‘ Argumentation widerspricht jedoch sowohl der Bibel als auch der menschlichen Erfahrung.

So ist das Übel nicht notwendig, um Gutes von Schlechtem unterscheiden zu können (vgl. 1. Mose 1-2). Zudem hat diese Welt äußerst wenig Entwicklungspotential in Blick auf die Leidfrage, wie die Geschichte beweist. Weder Wissenschaftler noch Politiker konnten das Leid dieser Welt auch nur ansatzweise in den Griff bekommen, geschweige denn minimieren. Wenn ein Leid verringert wird, bricht ein anderes aus. Leibniz relativiert zudem das Übel in der Welt. Hier lehrt die Geschichte auch etwas anderes, betrachtet man alleine den Holocaust. Doch nicht nur Leibniz, sondern alle Gelehrten scheitern letztlich an der Theodizee-Frage. Die Lösungsansätze bestreiten entweder das Böse oder die Allmacht und Güte Gottes.4

Es wird klar: Der Widerspruch bleibt bestehen. Beim Leid ist kein Schema F erkennbar. Die Frage ist nun, was ich mit den offenen Fragen mache. Viele Atheisten sehen genau hierin den Beweis dafür, dass es keinen Gott gibt. Für diejenigen, die dennoch an Gott glauben, scheint die offene Theodizee-Frage kein Todschlagargument zu sein. Sie lassen die Frage offen und akzeptieren, dass der Mensch einen unerforschlichen Gott mit seinem Verstand nicht fassen kann (Jesaja 55,8Hiob 42,2).

Wofür entschied sich Nick?

Nick Vujicic suchte jahrelang nach einer rationalen Erklärung und merkt nicht nur, dass es keine Erklärung gibt, sondern dass ihm eine Erklärung nicht helfen würde. „Ich brauche Frieden – mehr als Arme und Beine.“,5 stellt er fest und stößt dann auf Johannes 9. Ein Mann ist von Geburt an blind und damit für immer vom Betteln abhängig. Die Jünger fragen Jesus, ob der Mann selbst oder seine Eltern durch ihre Sünde Schuld an der Blindheit sind. Die Antwort, die Jesus auf diese Frage gibt, wird zu Nicks ganz persönlicher Antwort: „Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.“ (Johannes 9,3)

Dieser Vers machte Nick klar: Es gibt einen höheren Grund, warum ich so bin, wie ich bin. Gott hat etwas mit mir vor. Der Vers macht ihm Mut und verändert sein ganzes Leben. Heute schreckt er vor nichts mehr zurück. Er geht surfen und tauchen, kann sogar Fußball spielen, „nur eben etwas langsamer.“6 Er reist als Motivationstrainer um die Welt und beweist mit seiner Ausstrahlung und seinem Humor, dass das eigene Leid auch zum Sprungbrett des Lebens werden kann.

Ein Perspektivenwechsel, der alles verändert

Nick wuchsen keine Beine und keine Arme mehr. Doch er bekam etwas noch Wertvolleres geschenkt: Hoffnung. Nick findet Halt bei Gott und ändert seine Sichtweise über sich und sein Leben. Seine Lebensgeschichte macht deutlich: Mein Leben ist lebenswert, auch im Leid, auch wenn ich auf vieles verzichten muss.

Verzicht kannte auch der Apostel Paulus. Sein Leben war von Leid durchzogen: Er wurde verfolgt, ins Gefängnis geworfen, gefoltert, er erlitt mehrmals Schiffbruch, erlebte Hunger und Durst. Er hatte mit seinem Leben schon mehrmals abgeschlossen. Und dennoch lobte er Gott und prahlt sogar mit seiner Schwäche (2. Korinther 11,16-30). Wie kam er dazu? Paulus hatte eine persönliche Begegnung mit Gott, die sein komplettes Weltbild über Bord warf. Er bekam eine konkrete Hoffnung, fast ein Wissen, dass Gott ihm in jeder Lebenslage hilft (vgl. 2. Korinther 1,8-11). Diese Hoffnung blieb sogar bestehen, wenn er in Not war und keine direkte Hilfe erfuhr. Selbst da war er sicher: Gott ist mir ganz nahe. Sogar da erlebt er Gottes Trost (vgl. 2. Korinther 1,5-7).

Paulus hatte jedoch nicht nur eine Hoffnung für die Zeit auf der Erde, die ihm Kraft gab. Er hatte auch die Gewissheit, dass die Leiden von heute nicht ins Gewicht fallen im Vergleich zu dem, was ihn nach dem Tod erwartete (Römer 8,18). Paulus sah über das Leben im Hier und Jetzt hinaus. Das gab ihm Mut und Kraft, seinen Auftrag auszuführen, obwohl dieser mit viel Leid verbunden war.

Hoffnungsträger Jesus

Paulus hatte diese neue Perspektive nicht immer. Erst als er Gott persönlich begegnete, merkte er, dass Jesus wirklich Gottes Sohn ist. Dieses Wissen revolutionierte sein Leben. Er sah das große Ganze, einen Sinn im Leben. So wurde er vom Christenverfolger zum Christusnachfolger. Ihm wurde klar: Wenn Jesus Gottes Sohn ist, dann hat er das ganze Leid in seinem Leben und das Sterben am Kreuz für mich persönlich durchgemacht.

Wie kommt er darauf? Das Alte Testament sagt an vielen Stellen voraus, dass ein Retter auf die Erde kommen wird. Er wird den Beziehungsbruch zwischen Gott und Mensch heilen, der durch Adam und Eva verursacht wurde. Diese Prophetien wurden durch Jesus erfüllt (vgl. Matthäus 4,14-168,1712,17). Jesus starb am Kreuz, trug damit stellvertretend die Schuld der ganzen Menschheit und ist drei Tage später auferstanden (Johannes 3,16-18Lukas 24,46).

Jesus hat Leid ertragen, um mir eine Perspektive im Leben zu geben. Er hat selbst erlebt, wie sich körperliche und seelische Qualen anfühlen. Er wurde versucht, kennt innere Zerrissenheit, Traurigkeit und Verzweiflung. Er versteht mich in meinem Leid, weil er selbst das Leid von jedem Menschen getragen hat: „Er nahm unsere Krankheiten auf sich und trug unsere Schmerzen. Und wir dachten, er wäre von Gott geächtet, geschlagen und erniedrigt! Doch wegen unserer Vergehen wurde er durchbohrt, wegen unserer Übertretungen zerschlagen. Er wurde gestraft, damit wir Frieden haben. Durch seine Wunden wurden wir geheilt!“ (Jesaja 53,4-5)

Heile Beziehung ohne heile Welt?

Doch etwas bleibt unklar: Wenn der Beziehungsbruch zwischen Gott und den ersten Menschen eine ganze Welt ins Verderben stürzte, warum ist die Welt dann 2.000 Jahre nach Jesus immer noch nicht frei vom Leid?

Die Bibel erklärt, dass ich schon heute Vergebung und eine Beziehung zu Gott haben kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich kein Leid mehr erleben werde, sobald ich Jesus nachfolge. Paulus macht dies in seinen Briefen immer wieder deutlich. Er betont: So wie ich einmal am Trost teilhaben werde, so habe ich jetzt auch Anteil am Leiden von Jesus (2. Korinther 1,7). Die völlige Wiederherstellung der Erde und ein Leben ohne Leid werden erst wahr, wenn Jesus ein zweites Mal wiederkommt.

Dann wird Gott…

… die Erde von Grund auf erneuern. Er wird das Böse vollkommen vernichten und dem Leid damit ein Ende machen. Dadurch wird es möglich sein, in einem funktionierenden System zu leben: Die Natur wird wiederhergestellt, es wird keine Naturkatastrophen mehr geben (Römer 8,21). Der menschliche Körper wird erneuert, sodass es keine Krankheiten mehr gibt (1. Korinther 15,35-49). Das menschliche Herz wird sein wie das von Jesus – rein und voll guter Gedanken. So wird Gott die ganze Erde erneuern (Offenbarung 21,1ff).

… Gerechtigkeit wiederherstellen (Apostelgeschichte 17,31). Die Gerechtigkeit, die mir auf der Erde versagt bleibt, wird einmal Realität werden. Das heißt auch, dass derjenige, der mir Leid zugefügt hat, dafür seine gerechte Strafe bekommt.

… mich trösten. Er wird „abwischen alle Tränen von ihren Augen“ (Offenbarung 21,4). Es wird keine Schmerzen mehr geben und keinen Tod.

Diese Hoffnung kann jeder Mensch bekommen, egal wie schlimm sein Leiden auf der Erde ist. Jeder Mensch, der Hoffnung bei Jesus sucht, wird sie finden.

Ein Fazit

Wie ist ein liebender und allmächtiger Gott mit dem Leid in der Welt vereinbar? Die Theodizee-Frage bleibt leider ungelöst. Weder gelehrte Männer noch die Bibel können den Widerspruch auflösen. Welches Fazit ich persönlich daraus ziehe, bleibt mir überlassen. Entweder gebe ich den Glauben an einen liebenden Gott ab. Oder ich nehme das Angebot an, das die Bibel mir macht: Ich lasse mir Hoffnung und eine Perspektive im Leben schenken. Ich gebe Gott die Möglichkeit, mich durch das Leid zu begleiten und zu tragen. Der Autor Charles Coulson fasst es folgendermaßen zusammen: „Gott verspricht uns nicht, uns aus dem Feuer zu holen, sondern er verspricht uns, zusammen mit uns durch das Feuer zu gehen.“7

 

1 Alle Zitate und Informationen über Nick Vujicic, die dieser Artikel enthält, wurden der Fernsehsendung Hof mit Himmel auf ERF1 vom 7. Mai 2011 entnommen. Link zuletzt abgerufen am 14. April 2014

2 Der Begriff Theodizee ist zusammengesetzt aus griech. theos (Gott) und dikaiosyne (Gerechtigkeit, Rechtfertigung). Er wird von dem deutschen Philosophen und Wissenschaftler G. W. Leibniz (1646-1716) geprägt.

3 Wikipedia-Artikel zu Leibniz

4 Helmut Burkhardt (1994): Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde. R.Brockhaus Verlag Wuppertal und Zürich, S. 1987f.

siehe Fußnote 1

siehe Fußnote 1

7 R.T. Kendall (2002): Theologie leicht gemacht. Lernen, worauf es ankommt. Hänssler, Holzgerlingen. S. 645