Was hat Gott mit mir vor?

Wer nach seiner Berufung fragt, sucht meist eine bestimmten Aufgabe, dem von Gott vorgesehenen Platz in dieser Welt. Wer so denkt, wird aber nur einem Teil seiner Berufung entdecken. Denn Gottes Berufung bietet einiges mehr.

Was hat Gott mit mir vor? Wo ist der Platz, an den ich hingehöre? Warum hat mein Glaube so wenig mit meinem Alltag zu tun? Wer sich diese Fragen stellt, sollte sich genauer mit seiner Berufung befassen. Denn wer seine Berufung kennt, kann Antworten und Lösungen für diese Fragen finden.

Dieser Berufung auf die Spur zu kommen, ist zwar mit etwas Aufwand verbunden. Der aber lohnt sich. Wenn ich meinen Platz und meine Aufgabe kenne, für die Gott mich vorgesehen hat, werde ich unter Zeitdruck oder widrigen Umständen zielgerichteter handeln können. Außerdem weiß ich, dass ich das Richtige zur rechten Zeit tue – auch wenn die Umstände etwas anderes sagen. Dieses Wissen kann ruhiger und zufriedener machen.

Die persönliche Berufung durch Gott hat aber nicht nur etwas damit zu tun, was ich tue. Berufung hat in erster Linie etwas mit meinem Sein und meiner Beziehung zu Gott zu tun. Die erste Frage ist also: Wie sieht mich Gott als Person, wie möchte er, dass ich mich entwickle und wie stehe ich grundsätzlich zu ihm? Erst dann geht es darum, was ich tue, wie also meine spezielle Lebensaufgabe aussieht. Trotzdem ist die Berufung von Gott nicht abgehoben oder weltfremd. Sie hängt mit einer oder mehreren konkreten Aufgaben zusammen. Man könnte auch sagen, die Frage nach der persönlichen Berufung dreht sich um die Frage, wie ich die Zeit, die mir auf der Erde gegeben ist, am besten im Sinne Gottes gestalten kann – mit allen Facetten, die das Leben mit sich bringt.

Wie Gott beruft

Wer denkt, Gott berufe ausschließlich durch herausragende Ereignisse, wie es bei Mose, Gideon oder Paulus der Fall war, hat nicht das ganze Bild im Blick. Die Berufungsgeschichten vieler biblischer Personen – ganz zu schweigen von unendlich vielen Christen in der Kirchengeschichte – haben keine donnernden Stimmen oder Engel des Herrn zu bieten. Das müssen sie auch nicht. Denn Gott beruft keineswegs immer auf spektakuläre Art und Weise.

Auch menschliche Entscheidungen, die Umstände, einfache Fakten und dergleichen gebraucht er, um Menschen für seine Ziele zu gewinnen. Wird z.B. die Notlage von bestimmten Menschen bekannt, beispielsweise durch Medien, können sich Menschen von Gott berufen fühlen zu helfen. Außerdem ist die persönliche Berufung oftmals eine dynamische Sache. Sie ist nicht für das gesamte Leben ein für alle Mal festgelegt. Oftmals muss man sich auf der Suche nach der eigenen Berufung vorsichtig vortasten, ausprobieren und von anderen bestätigt werden.

Auch spielt die Einzigartigkeit meiner Persönlichkeit eine große Rolle bei meiner Berufung. Niemals gab es jemanden und niemals wird es jemanden wieder geben, der diese einmalige Kombination aus Gaben, Talenten, Fähigkeiten und seiner Geschichte mit sich bringt wie ich es tue. Jeder Mensch ist einzigartig – und damit unendlich wertvoll. Niemand kann den Platz ausfüllen, den ich mit meinem Gabenprofil ausfüllen kann. Darauf geht Gott ein. Denn er kann durch mich am besten wirken, wenn meine Aufgabe meinen Fähigkeiten und Neigungen entspricht. Meine Effektivität und meine Neigungen stehen in direktem Zusammenhang.

All das bedeutet nicht, dass meine Berufung eine Art Selbstverwirklichungstrip ist. Es geht also nicht nur darum, meine Person möglichst effektiv zu entfalten und nur das zu tun, was mir Spaß macht. Meine Gaben und Neigungen können immer nur Hinweise für meine Berufung sein. Sie können mich aber auch auf eine falsche Fährte führen. Daher ist eine Balance wichtig: Meine Fähigkeiten sind Teil meiner Berufung – aber weder meine Fähigkeiten noch meine Taten können letztlich die einzige Grundlage meiner Berufung sein.

Wen Gott beruft

Besonders begabte Menschen scheinen oft besonders berufen. Doch beruft Gott nur begabte Leute – oder begabt er gezielt diejenigen, die er berufen hat?

Mit Begabung allein scheint Gottes Berufung nur bedingt etwas zu tun zu haben. Denn wie schon erwähnt, ist jeder Christ dazu berufen, etwas zu sein und nicht nur etwas zu tun. Folglich werden Menschen berufen, die schuldig geworden sind (Matthäus 9,13) oder solche, die sich plagen und schwere Lasten zu tragen haben (Matthäus 11,28) – nun wirklich nicht nur die Elite.

Gott beruft also nicht nur die großen Helden. Hierfür findet auch Paulus bemerkenswerte Worte: "Seht doch auf eure Berufung, Brüder! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen." (1. Korinther 1,26-27)

Das bedeutet: Selbst Schwächen, selbst Schuld und Verletzungen disqualifizieren nicht für Gottes Berufung. Wer verletzt wurde und diese Verletzung verarbeitet hat, hat zu diesem Thema mehr zu sagen als jemand, bei dem alles glatt gelaufen ist. Oder wer könnte z.B. Drogenabhängigen glaubwürdigere Hilfe anbieten als jemand, der selbst eine Drogenkarriere mit Absturz, Abhängigkeit und Entzug hinter sich hat? Gott kann gerade die Defizite in meinem Leben durch seine Berufung in Segen verwandeln. Auch meine Schwächen können ein Hinweis auf meine Berufung sein – eine hoffnungsvolle Perspektive.

Das bedeutet nicht zwangsweise, dass jemand mit besonderen Begabungen nicht berufen werden könnte. Aber Gott hat es nicht nötig, sich an menschliche Kriterien und Maßstäbe zu halten. Er beruft sehr souverän und manchmal auch Menschen, die momentan ungeeignet erscheinen – denn er sieht als ihr Schöpfer mitunter Begabungen in ihnen, die andere Menschen noch nicht wahrnehmen. Und natürlich spielt auch die innere Einstellung eines Menschen eine zentrale Rolle. Wer nicht bereit ist, auf Gott zu hören, wird seine Berufung nur schwer finden. Es gilt also, immer offen zu sein für das Reden Gottes.

Berufen – wozu?

Der persönlichen Berufung auf die Spur zu kommen, bedeutet nicht nur, nach einem speziellen Platz und einer speziellen Aufgabe zu suchen. Denn Christen sind zu einer Reihe von grundlegenden Dingen berufen. Dazu gehört z.B., Jesu Botschaft weiterzusagen und so seinen Auftrag fortzuführen (Matthäus 28,18ff.). Wer also beim Thema Berufung lediglich nach seiner speziellen Lebensaufgabe fragt, verliert leicht andere Berufungen aus dem Blick. Diese Themen gehören aber zu einer ganzheitlichen Sicht von Berufung dazu. Ohne sie ist das biblische Bild der Berufung Gottes nicht komplett.

Zum gesamten Bild der biblischen Berufung gehören für die Schreiber des Neuen Testamentes die Berufungen,

Kümmere ich mich also nur um eine spezielle Aufgabe, komme ich meiner Berufung nur teilweise nach. Ich kann meine Berufung nur dann ausleben, wenn ich sowohl diese allgemeine als auch meine spezielle Berufung im Blick habe. Diese Auflistung macht auch klar: Ich muss mich nicht ewig fragen „Was will Gott von mir?“ oder „Was ist meine Berufung?“, und erst dann losgehen, wenn ich Antworten auf diese Fragen habe. Wer versucht, die genannten Aspekte der Berufung Gottes umfassend umzusetzen, hat schon Aufgabe genug – und kann schon heute damit anfangen. Gerade dann werde ich auch seiner speziellen Berufung näher kommen.

Wer seiner persönlichen Berufung auf die Spur kommen will, sollte also nicht so sehr nach dem einen Platz, dem einen Weg, der einen Aufgabe suchen. Vielmehr kommt es darauf an, die Person zu werden, die Gott gebrauchen kann. Werde so, wie es Gottes Willen entspricht. Lebe so, wie es Gottes Willen entspricht. Oder anders ausgedrückt: Lebe deine Berufung! 

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