Zweifel – Ameisen in den Hosen des Glaubens

Die wenigsten Christen wollen sie, die meisten haben sie trotzdem: Zweifel. Wie geht man damit um, wenn der Glaube ins Wanken gerät? Und darf man als Christ überhaupt zweifeln?

„Das tiefgehendste, ja einzige Thema der Weltgeschichte, dem alle übrigen untergeordnet sind, bleibt der Konflikt des Unglaubens und des Glaubens.“1 Diese Aussage mag übertrieben klingen. Dennoch würden die meisten Menschen darin übereinstimmen, dass sie Zweifler sind: Atheisten fragen sich hin und wieder, ob es nicht doch einen Gott gibt.Menschen, die sich nicht um den Glauben kümmern, werden mit Situationen konfrontiert, die ihre religiöse Gleichgültigkeit ins Wanken bringen.3 Auch Christen zweifeln und fragen sich, ob Gott wirklich so existiert, wie sie ihn sich vorstellen. Um diese letzte Art von Zweifel – dem Unglauben des Gläubigen – geht es in folgendem Artikel. Und vielleicht wird in seinem Verlauf auch deutlich, warum Glaube und Unglaube tatsächlich eine Grundmelodie des menschlichen Lebens sind.

Zweifel – was ist das eigentlich?

Der Duden definiert Zweifel als „Bedenken; schwankende Ungewissheit darüber, ob man etwas glauben soll oder ob etwas richtig ist.“Das Brockhaus-Lexikon geht noch ein Stück weiter und verortet den Zweifel nicht nur in Gedanken, sondern auch im Handeln: Wer Zweifel hat, der hat sie nicht nur gegenüber bestimmten Sachverhalten, sondern auch gegenüber „dem entsprechenden Tun und Verhalten“.5 Zweifel spielen sich also nicht nur im Kopf ab, sie haben Auswirkungen auf unser Verhalten: Wer zum Beispiel bezweifelt, dass Gott seine Gebete ernst nimmt, der wird nur halbherzig und ohne große Erwartungen beten.

Die Gründe für Zweifel können unterschiedlich sein. In Bezug auf das Gebet hat jemand in der Vergangenheit vielleicht erlebt, dass Gott eine Bitte, die ihm wichtig war, nicht erhört hat. Jetzt hat er Angst, wieder enttäuscht zu werden. Hier sind die Zweifel aus der eigenen Biographie heraus entstanden. Der intellektuelle Zweifler stolpert hingegen über sein logisches Vorstellungsvermögen. Er möchte gerne beten, fragt sich aber, ob sein Anliegen nicht angesichts der großen Probleme der Welt untergeht. Schließlich gibt es noch den „Berufszweifler“, der grundsätzlich alles in Frage stellt. Zweifel sind für ihn notwendig, damit er sich eine fundierte Meinung bilden kann. Das Gebet ist für einen solchen Zweifler eher ein Objekt philosophischer Gedankengängeals gelebter Teil seiner Frömmigkeit.

GZSZ: Guter Zweifel – schlechter Zweifel

Mit Ausnahme des letzten Zweifelstypen freuen sich die Wenigsten, wenn sie merken, dass sie ihren Glauben in Frage stellen. Stattdessen werden Zweifel wie eine unerwünschte Krankheit empfunden, die man loswerden will. So wie Fieber den Körper müde macht, kann der Glaube aufgrund von  Zweifeln schlapp machen.

Der Vergleich mit der Krankheit hilft aber auch zu verstehen, dass Zweifel nicht per se schlecht sind. Es ist unangenehm, Fieber zu haben, aber es ist allemal besser, als einem Krankheitserreger schutzlos ausgesetzt zu sein. Im Normalfall wird der Patient nach einiger Zeit gesund und ist zukünftig vielleicht sogar gegen diese Krankheit immun. Gefährlich wird es erst dann, wenn der Körper mit dem Erreger nicht fertig wird und es zu dauerhaften gesundheitlichen Einschränkungen kommt.

Zweifel: Die Ameisen des Glaubens

So können auch Zweifel Symptome für „ungesunde“ Stellen in unserem Glauben sein. Vielleicht haben wir eine falsche Vorstellung von Gott oder davon, wie das Leben mit ihm funktionieren müsste. Werden diese Vorstellungen nie hinterfragt, bleibt der Glaube einseitig und ungesund. Gehen wir diesen Zweifeln jedoch nach, bekommt unser Glaube Substanz. Der biographische Zweifler traut sich, Gott gegenüber seine Enttäuschung und Angst wegen des unerhörten Gebetes endlich auszusprechen. Der intellektuelle Zweifler fängt an, mit Gott über seine Verständnisschwierigkeiten zu reden und Literatur über das Gebet zu lesen. Die Chancen stehen gut, dass beide ihre Beziehung zu Gott vertiefen, weil sie ihre Glaubenszweifel offensiv angehen.

Der Autor Fredy Staub7 weist darauf hin, dass die Pharisäer, eine streng religiöse Gruppe zur Zeit Jesu, diesem positiven Aspekt des Zweifels keinen Raum gaben. Der Großteil von ihnen hatte feste Ansichten, wie eine Gesellschaft nach Gottes Vorstellung sein sollte. Sie ließen sich von Jesus nicht herausfordern, diese Überzeugungen in Frage zu stellen. Ihr Glaubenssystem bekam so zwar keine Risse, aber sie verpassten die Chance, Gott selbst in seinem Sohn zu begegnen. Frederick Buechner bringt diese gesunde Notwendigkeit des Zweifels humorvoll auf den Punkt: „Zweifel sind die Ameisen in der Hose des Glaubens; sie halten ihn wach und in Bewegung.“8

Zuschauer im Spiel des Glaubens

Doch nicht nur eine künstlich zweifelsfreie Einstellung behindert eine vertrauensvolle Beziehung zu Gott. Ein Zuviel an Zweifel hindert sie ebenfalls. In diesem Fall ist der Zweifel nicht ein Symptom, sondern die Ursache für einen ungesunden Glauben. Wer wie der Berufszweifler grundsätzlich alles in Frage stellt, steht in der Gefahr, immer nur mit halbem Herzen bei einer Sache zu sein. Der Vorteil einer solchen Haltung ist, dass man keine feste Position beziehen muss. Der Nachteil ist, dass man auf der Zuschauerbank bleibt. Gott bleibt ein abstraktes Gedankengebäude, wird kein persönliches Gegenüber. Man traut ihm nicht zu, dass er z.B. bei Schwierigkeiten auf der Arbeit eingreift oder jeden Menschen liebt.9

Der Konflikt zwischen Glauben und Unglauben

Wenn die Autoren des Neuen Testamentes von Zweifeln sprechen, dann haben sie vor allem diese negative Art des Zweifelns vor Augen. Ihrer Meinung nach ist es nicht gut, wenn ein Mensch entweder aus berechnender Überlegung oder aus ängstlichem Bedenken heraus dauerhaft an Gott und seinem Wesen zweifelt.10 Dabei wissen die Schreiber, dass das nicht immer einfach ist.

Schließlich ist die Geschichte des Glaubens – und damit auch ihre eigene Geschichte – von Anfang an eine Geschichte des Unglaubens: Adam und Eva zweifelten daran, dass es das Beste für sie ist, von einen bestimmten Baum nicht zu essen (1. Mose 3,1-24). Die Israeliten zweifelten daran, dass sie das von Gott versprochene Land tatsächlich erobern können würden (4. Mose 13,1- 14,4). Petrus zweifelte daran, dass das Wasser ihn trotz des starken Windes tragen würde und das, obwohl er schon ein paar Schritte auf der Oberfläche des Sees getan hatte (Matthäus 14,22-33). Einige der elf Jünger zweifelten bei Jesu' Himmelfahrt, obwohl sie ihn nach seiner Auferstehung mehrere Male gesehen, ihn berührt und mit ihm zusammen gegessen hatten (Matthäus 28,16-20).

Der Konflikt zwischen Glauben und Unglauben lässt uns Menschen also tatsächlich nicht los. Zweifel und Glaube sind zwei grundlegende Wirklichkeiten, die unser Sein durchdringen. Aus diesem Grund braucht niemand ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er Phasen erlebt, in denen er an Gott oder bestimmten Glaubensinhalten zweifelt. Er ist deswegen kein schlechter Christ. Die Frage ist vielmehr, wie ich mit diesen Zweifeln umgehe.

Jesus und die Zweifler

Es fällt auf, dass Jesus – der wiederholt mit den Zweifeln seiner Jünger konfrontiert wurde – in diesem Zusammenhang sehr zurückhaltend ist. Er rettet Petrus, bevor dieser in seinen Zweifeln nicht nur buchstäblich sondern auch tatsächlich ertrinkt (Matthäus 14,31). Thomas, dem Zweifler, erfüllt er den Wunsch nach Beweisen für seine Auferstehung (Johannes 20,24-29).11 Aber keinem von beiden nimmt er ihren Unglauben einfach weg. Auch bei seiner Himmelfahrt kehrt er nicht auf halbem Weg um, um den Skeptikern Glaubensgewissheit zu geben.

Es gibt nur eine Sache, die Jesus immer wieder tut, wenn er einem Zweifler begegnet: Ihn mit seinem Unglauben zu konfrontieren und ihn dazu herauszufordern, zu glauben (Markus 9,14-29Johannes 20,29). Als Petrus bei seiner Glaubensprobe auf dem See Genezareth versagt, zieht Jesus ihn z.B. aus dem Wasser und fragt ihn dann sofort: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ (Matthäus 14,31) Warum verhält sich Jesus so und was kann ein Christ daraus für seine eigenen Zweifel lernen?

In Dur singen

Wir verstehen Zweifel und Glaube heute oft im Zusammenhang von Wissen und nicht gesichertem Wissen: Wo ich Glaubensaussagen nicht verstehe oder nicht beweisen kann, werde ich unsicher. Die Bibel legt einen anderen Schwerpunkt. Glaube bedeutet für sie Vertrauen zu Gott. Unglaube bedeutet, Gott und sein Wesen anzuzweifeln. Aus dieser Perspektive ist es nicht das Wichtigste, einen Glauben zu haben, der über jeden Zweifel erhaben ist. Die Beziehung zu Gott steht an erster Stelle und nicht das Wissen über ihn.

Diese Beziehung kann tiefer werden, selbst wenn ich nicht immer nachvollziehen kann, was Gott tut oder denkt (vgl. Jesaja 55,1-13). Fehlt jedoch das Vertrauen, geht die Beziehung zu ihm früher oder später in die Brüche. Deswegen fordert Jesus den zweifelnden Thomas heraus, auch ohne Beweise zu vertrauen. Er sagt ihm – und damit auch uns: „Jetzt, wo du mich gesehen hast, glaubst du. Glücklich zu nennen sind die, die nicht sehen und trotzdem glauben.“ (Johannes 20,29) Wer Gott trotz seiner Zweifel vertraut, wächst in eine intensivere Gottesbeziehung hinein als jemand, der sich nur zögerlich vorwärts bewegt, weil er erst Gewissheit haben möchte.

Das bedeutet nicht, dass Gott Zweifel niemals aus dem Weg räumt. Wenn dieser Prozess jedoch nicht gleichzeitig bewirkt, dass das Vertrauen zu Gott wächst, hilft er dem Gläubigen nicht weiter. Dann besteht die Gefahr, dass der Glaube entweder verkopft oder von äußeren Umständen abhängig wird. So, wie der Zweifel alles ins Wanken bringen kann, was wir einmal geglaubt haben, bringt uns das Vertrauen zu Gott dazu, trotz allen Fragen zu sagen: Ich glaube. Wie Moll und Dur stehen sich diese beiden unterschiedlichen Grundmelodien gegenüber. In einem kontinuierlichen Prozess ist jeder Gläubige immer wieder herausgefordert zu entscheiden, welche Melodie er singen will.

Gänseblümchen-Glaube: Ich vertraue, ich vertraue nicht, ich vertraue …

Der Apostel Jakobus macht diesen Entscheidungsprozess am Beispiel des Gebetes deutlich: „Wenn es aber einem von euch an Weisheit fehlt, bitte er Gott darum, und sie wird ihm gegeben werden; denn Gott gibt allen gern und macht dem, der ihn bittet, keine Vorhaltungen. Doch soll der Betreffende seine Bitte in einer Haltung des Vertrauens vorbringen und nicht in der Haltung des Zweiflers; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die – vom Wind aufgepeitscht – einmal hierhin und dann wieder dorthin getrieben wird. Ein solcher Mensch soll nicht meinen, er werde vom Herrn etwas bekommen, denn er ist in seinem Innersten gespalten, und seine Unbeständigkeit kommt bei allem, was er unternimmt, zum Vorschein.“ (Jakobus 1,5-8)

Es geht Jakobus nicht darum, dass ein Christ nie zweifeln darf, ob Gott seine Gebete hört. Die Schlüsselwörter des Textes sind „Vertrauen“ und „Unbeständigkeit“. Wie oben gesagt, ist es legitim, seine Zweifel beim Namen zu nennen und mit Gott darüber zu reden. Irgendwann muss ich aber eine Entscheidung fällen, ob ich es Gott zum Beispiel grundsätzlich zutraue, dass er Gebet erhört oder nicht. Ist diese Entscheidung gefallen, macht es keinen Sinn, sie immer wieder in Frage zu stellen. Stattdessen gilt es, dabei zu bleiben und sie umzusetzen, selbst wenn ich Restzweifel habe.

Das ist beim Glauben nicht anders als bei vergleichsweise alltäglichen Dingen wie einem Autokauf. Auch da habe ich mich vor dem Kauf über Vor- und Nachteile meines Favoriten kundig gemacht und bin zu der Überzeugung gekommen, dass er für meine Anforderungen am besten geeignet ist. Natürlich werden ein paar Zweifel bleiben, schließlich gab es ja auch negative Kritiken. Was tun? Wer nicht in der glücklichen Lage ist, sich mehrere Autos gleichzeitig kaufen zu können, wird sich entscheiden und zu dieser Entscheidung stehen müssen. Der Gebrauch des Wagens wird dann zeigen, ob die Entscheidung richtig war.

Ähnlich ist es, wenn ich mich entscheide zu glauben, dass Gott Gebet hört und es ausprobiere. Zum einen werden meine Gebete durch diese Entscheidung konkreter und mutiger und zum anderen werde ich erleben, dass Gott tatsächlich antwortet. Denn auch wenn wir nicht über Gott verfügen können und uns davor hüten sollten, ihm unsere Wünsche aufzudrücken, wird er in der Regel auf unser Vertrauensvorschuss reagieren. Schließlich wünscht er sich, dass unser Vertrauen zu ihm größer wird.

Zweifeln ohne zu verzweifeln

Fällt es den meisten beim Autokauf  noch relativ leicht, eine Entscheidung zu treffen, ist das in der Beziehung zu Gott schon schwerer. Zum einen steht in der Regel mehr auf dem Spiel und zum anderen kann ich die Ergebnisse meiner Entscheidung oft nicht handfest überprüfen. Folgende Tipps12 helfen dabei, weg von einem Gänseblümchen-Glauben und hin zu einem tieferen Vertrauen zu kommen:

  • Zuerst gilt es herauszufinden, wie es überhaupt dazu kommt, dass ich zweifle und wieso ich gerade in diesem Bereich solche Schwierigkeiten habe, Gott zu vertrauen. Hat ein bestimmtes Erlebnis diese Zweifel ausgelöst oder bin ich einfach ein Zeitgenosse, der es (zu) genau wissen muss? Wenn ich weiß, was der Grund für meine Glaubensunsicherheit ist, kann ich sie gezielter und manchmal auch gelassener angehen.
  • Der zweite Schritt besteht darin, den Glauben auf ein tragfähiges Fundament zu stellen. Da es beim Glauben an Jesus Christus um eine Beziehung zu Gott geht, bedeutet das, Zeit zu investieren, um Gott besser kennenzulernen. Dabei geht es nicht darum, ihn intellektuell immer mehr zu begreifen, sondern in dieser Beziehung zu leben. Wer zum Beispiel verstanden hat, dass Gott wie ein guter Vater ist, wird ihm seine Sorgen immer mehr anvertrauen und mit seiner Hilfe dabei rechnen. Es gibt unzählige Bücher, Vorträge und Predigten, die diesen Prozess unterstützen können. Vor allem die Bibel ist dabei von unschätzbarem Wert. Andere Christen können mit ihren Erfahrungen und ihrem Verständnis von Gott ebenfalls Steine aus dem Weg räumen.13 Lassen Sie sich für diesen Prozess Zeit. Viele Zweifel verschwinden nicht von heute auf morgen, sondern eher etappenweise.
  • Schließlich lohnt es sich zu überlegen, was man selbst schon mit Gott erlebt hat. Als Johannes der Täufer daran zweifelt, dass Jesus der Messias ist, verweist ihn Jesus auf seine Taten (Lukas 7,18-23). Auch die Schreiber der Psalmen erinnern sich in Krisen an das, was sie oder andere in besseren Zeiten mit Gott für Erfahrungen gemacht haben (vgl. z.B. Psalm 22Psalm 116). Das hilft dabei, sich nicht nur auf die Zweifel zu konzentrieren, sondern auch an das zu denken, was man am Glauben schätzt und wo man keine Probleme hat.

Die Psalmbeter sind auch darin ein Vorbild, dass sie Gott ihre Situation offen sagen und ihn um Hilfe bitten. Die Zweifler im Neuen Testament erlebten vermutlich oft in dem Moment die Wende in ihrer Glaubenskrise, in dem sie Jesus begegneten und sich mit ihren Fragen direkt an ihn wandten. Wer Gott gegenüber ehrlich ist, hat also bereits den ersten Schritt aus seinen Zweifeln heraus getan. Denn damit stellt er seinen Glauben und seine Zweifel in einen größeren Zusammenhang als den eigenen, kleinen Horizont. Es wird deutlich: Ich muss meinen Glauben nicht selbst tragen. Gott trägt mich. Er schenkt mir immer wieder neuen Glauben. Diese Perspektive entlastet. Denn manchmal drohen Zweifel unseren Glauben selbst dann zu ersticken, wenn wir sie offensiv angehen und uns bemühen zu vertrauen.

Ein ungläubiger Zeitgenosse von Jesus war in einer solchen Situation und er tat das einzig Richtige. Er bat Jesus: „Ich glaube! Hilf mir heraus aus meinem Unglauben!“ (Markus 9,24) Dahinter steht die Erkenntnis, dass ich als Mensch nicht aus mir selbst heraus leben kann – auch in meinem Glauben nicht. Ich brauche dafür Gottes Hilfe und ich darf sie in Anspruch nehmen. Damit bleibt der Konflikt zwischen Glaube und Zweifel zwar ein Bestandteil des Lebens, wird aber nicht zu einer negativen Kraft, die alles andere überlagert.

Im Gegenteil: Wo Zweifel angegangen und überwunden werden, wächst mein Glaube, so wie das Immunsystem im Idealfall nach einer Krankheit gestärkt ist. Im Zusammenhang mit den erwähnten Gebetszweifeln könnte das z.B. heißen, dass ich entdecke, dass Beten tatsächlich etwas bewirkt und Gott dadurch mehr zutraue. In diesem Fall haben die Ameisen ihren Dienst in den Hosen des Glaubens erfolgreich getan.


Das Zitat wird Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben.
http://www.dittmar-online.net/glaubenszweifel/unglaubenszweifel.html; Stand: 17.04.2015; 10:05 Uhr
http://www.zeit.de/2011/13/Japan-Stimmen; Stand: 17.04.2015; 10:10 Uhr
Duden, Bedeutungswörterbuch, Dudenverlag, Mannheim 2002
Der Brockhaus in fünfzehn Bänden, Bd. 15, F. A. Brockkaus, Leipzig, Mannheim 1999
Brockhaus definiert Zweifel in der Philosophie als „methodische Infragestellung zur Begründung sicherer Erkenntnis (z.B. bei Descartes)“; a.a.O.
Fredy Staub, Glauben? Vergiss es! Warum sich Zweifeln lohnt, Kösel Verlag, München, 2005, S. 100
Zitiert in John Ortberg, Glaube & Zweifel, Gerth Medien, Asslar, 2009, S. 166
Ortberg weist darauf hin, dass eine solche innere Einstellung dazu führen kann, dass man in Bezug auf den Glauben auf lange Sicht gesehen zum Zyniker oder zum Rebell wird.
10 Im Neuen Testament werden verschiedene griechische Wörter für Zweifel, zweifeln etc. verwendet. Sie umfassen eine gewisse Bandbreite an Bedeutungen, z.B. die Beurteilung im Gericht, philosophisches Debattieren, Bedenken tragen, streiten. Eine eindeutige Zuordnung einzelner Bibelstellen zu den verschiedenen Bedeutungen ist nach Ansicht des Autors dieses Artikels nicht möglich. Auffällig ist, dass die Begriffe im Neuen Testament größtenteils einen negativen Beigeschmack haben und als Zweifel im Gegensatz zum Glauben und Vertrauen verstanden werden.
11 Insgesamt scheint Jesus die Überzeugungskraft von Beweisen kritisch zu sehen, wenn Zweifel durch sie behoben werden sollen (vgl. Lukas 16,19-31).
12 Einige dieser Tipps sind Staubs Buch entnommen.
13 Das setzt voraus, dass in Gemeinden und Hauskreisen eine Atmosphäre herrscht, in der Zweifel angesprochen und ernstgenommen werden (vgl. Römer 14,1Judas 22).