Die Grenze seiner Gnade

Menschliche Geduld, Liebe, Vergebungsbereitschaft - all das ist recht begrenzt. Doch wie ist das eigentlich bei Gott? Hat seine Gnade Grenzen?

Gottes Liebe ist unendlich groß. Schließlich opferte er seinen einzigen Sohn aus Liebe zu mir, damit ich von Schuld frei werden kann. Und dennoch scheint seine Liebe Grenzen zu haben. Jedenfalls bekommt man den Eindruck beim Lesen mancher Bibelstellen, die selbst langjährige Christen verunsichern: Was ist die Sünde gegen den Heiligen Geist, die nicht vergeben wird? Wenn ich jemandem nicht vergeben kann, wird Gott mir auch nicht vergeben? Kann ich verloren gehen, weil ich einmal mutwillig gesündigt habe?

Der folgende Artikel geht auf diese Fragen näher ein. Zudem möchte der Artikel Hilfestellung geben, falsche von echten Schuldgefühlen zu unterscheiden und aufzeigen, welchen Umgang mit eigener und fremder Schuld Gott sich für mich wünscht.

Sünde ist nicht gleich Sünde

Die Bibel macht eine Unterscheidung zwischen einer Sünde, die „zum Tod führt“ und anderen Sünden, die „nicht zum Tod“ führen (1. Johannes 5,13-17). Anders ausgedrückt: Gott vergibt dem Menschen jede erdenkliche Sünde, außer eine: Diese führt unweigerlich dazu, dass ein Mensch verloren geht. Es gibt also Grenzen der Vergebung. Doch was hat es damit auf sich: Wie schlimm muss eine Sünde sein, die Gott nicht vergibt?

„Wer aber lästert gegen den Heiligen Geist …“

Eine Stelle, in der so eine Grenze beschrieben wird, ist Matthäus 12,22-32 (vgl. Markus 3,22-30 und Lukas 12,10). Die Bibelstelle schildert eine Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Pharisäern, nachdem Jesus einen Mann geheilt und von einem Dämon befreit hatte. Die Pharisäer behaupten, Jesus treibe die bösen Geister im Namen des Satans aus. Sprich: Jesus stehe mit dem Teufel in einem Bund. Eine harte Anklage. Jesus antwortet daraufhin mit den besagten Worten: „Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.“ (Matthäus 12,31-32)

Jesus macht hier erst einmal eine total positive Aussage, über die ich mich freuen darf: Er vergibt dem Menschen jede erdenklich Sünde. Sogar, wenn jemand „gegen den Menschensohn“ redet, also über Jesus selbst lästert. Es gibt lediglich eine Ausnahme: Demjenigen, der „redet gegen den Heiligen Geist“, wird nicht vergeben werden. Was bedeutet das?

Die Pharisäer hatten das Wirken des Heiligen Geistes mit eigenen Augen gesehen und erlebt. Sie wussten, dass dieses Wunder nur durch Gottes Kraft geschehen sein konnte. Und doch leugneten sie es öffentlich, willentlich und entgegen jeder Logik. Wer das Wirken des Heiligen Geistes so offensichtlich erlebt wie die Pharisäer und es dennoch als das Werk Satans bezeichnet, der begeht die „Sünde gegen den Heiligen Geist“.

Habe ich die Sünde gegen den Heiligen Geist begangen?

Wer sich ängstlich fragt, ob er die Sünde gegen den Heiligen Geist begangen hat, kann sich entspannen. Er hat sie mit ziemlicher Sicherheit nicht begangen. Sein Herz ist offensichtlich noch empfindsam für die eigene Sünde. Denn: Die Sünde gegen den Heiligen Geist ist keine einzelne Tatsünde, die jemand sogar unbewusst begeht. Es handelt sich vielmehr um eine boshafte Herzenseinstellung eines Menschen, der Gott ablehnt und sein Handeln dem Satan zuschreibt. Wer sein Herz so verhärtet hat, interessiert sich gar nicht dafür, ob er die Sünde begangen hat.

Wer mutwillig sündigt …

Ähnlich verhält es sich mit der Stelle aus Hebräer 10. Um den Zusammenhang zu wahren, ist es sinnvoll, das ganze Kapitel, vor allem die Verse 26-31, nachzulesen. Zentral geht es um Hebräer 10,26: „Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, haben wir hinfort kein andres Opfer mehr für die Sünden […].“ 

Das griechische Wort, das mit mutwillig übersetzt wurde, lautet hekousios und bedeutet vorsätzlich, willentlich oder freiwillig. Zudem steht das Wort im Präsens, was bedeutet, dass es sich um eine andauernde Handlung handelt. Diese Übersetzung stellt mich vor ein Problem: Denn wenn ich sündige, ist mir das sehr wohl bewusst. Außerdem sündige ich immer wieder. Demnach könnte niemand gerettet werden. Mutwillig muss hier also noch etwas anderes beinhalten.

Die darauffolgenden Verse bringen Licht ins Dunkel (vgl. Hebräer 10,29). Sie machen klar, dass es sich um eine Person handelt, die die Botschaft Jesu verstanden und als Wahrheit erkannt hat, aber sie dennoch ablehnt, sogar verachtet.1 Es handelt sich nicht um eine einzelne Tat, sondern um einen Zustand.

Diese Person unterscheidet sich in zwei Punkten von einem Nachfolger Jesu: Zum einen kämpft sie nicht mehr gegen die Sünde. Zum anderen hat die Person Gefallen an der eigenen Boshaftigkeit (vgl. Römer 1,18-32). Ein Nachfolger Jesu leidet jedoch an der eigenen Schuld und hat den Wunsch sie loszuwerden. Die Person, die im Hebräerbrief beschrieben ist, hat sich also bewusst von Gott abgewendet. Die Bibelstelle steht also in direktem Zusammenhang mit der „Sünde gegen den Heiligen Geist“.

Wehrt den Anfängen

Auch für diese Stelle gilt: Wer Reue über seine Schuld empfindet, hat diese Sünde sicher nicht getan. Er darf Hebräer 10,26 dennoch ernst nehmen. Denn es ist eine Warnung an alle Christen, nicht leichtfertig mit der Sünde umzugehen. Niemand kehrt von heute auf morgen seinem Glauben den Rücken. Es ist meist ein schleichender Prozess, der ganz unauffällig damit beginnt, dass jemand nachlässig wird und über Sünde hinwegsieht.

Wenn Vergebung eine Einbahnstraße ist

Die letzte Grenze, die beispielhaft aufgegriffen werden soll, betrifft nicht die eigene, sondern fremde Schuld. In Matthäus 6,14-15 sagt Jesus: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ (vgl. auch: Matthäus 18,23-35Lukas 6,36-38)

Diese Worte spricht Jesus direkt nach dem Vaterunser. Er bekräftigt damit noch einmal, wie wichtig es ihm ist, dass auch die Menschen untereinander – und nicht nur der Vater – vergeben (vgl. Matthäus 6,12). Dieses "Wie du mir, so ich dir"-Prinzip finden wir an vielen Stellen. Besonders eindrücklich ist es in Matthäus 18,23-35 geschildert, im Gleichnis vom hartherzigen Schuldner. Das Gleichnis macht anschaulich, was Jesus in Matthäus 6 meint.

Wie du mir, so ich dir?

Der König in diesem Gleichnis steht für Gott, der gerne reichlich vergibt. Der hartherzige Mann spiegelt den Menschen wider, der gerne die Sündenvergebung von Gott in Anspruch nimmt, aber selbst kleinlich und geizig ist. Jesus möchte mit dem Gleichnis zeigen: Wenn du Vergebung und damit die Errettung in Anspruch nimmst, hast du eine Verantwortung, dementsprechend zu leben.

Es wäre heuchlerisch, die Errettung anzunehmen und so bleiben zu wollen, wie man ist. Rechtfertigung und Heiligung sind zwei untrennbare Bestandteile der Nachfolge. Dietrich Bonhoeffer bezeichnet diese Art von Vergebung als „billige Gnade“. Eine Gnade, die verschleudert wird wie Ramschware, als hätte sie Jesus nichts gekostet. Eine Gnade, die jeder haben möchte, aber ohne einen Preis dafür zu bezahlen: ohne eigene Anstrengung, ohne Nachfolge, ohne Jesus.2 Diese billige Gnade rettet nicht – sie gaukelt es mir nur vor (1. Johannes 2,4-11). Wenn ich Jesus von Herzen nachfolge, habe ich die „teure Gnade“ in Anspruch genommen. Teuer, weil sie Jesus das Leben gekostet hat. Und sie kostet auch mich etwas: mein altes Leben (Markus 8,35).

Diesen Prozess, in dem ich mein altes Leben verlasse und so werde, wie Gott mich ursprünglich gedacht hat, nennt die Bibel Heiligung (1. Thessalonicher 4,1-12). Er führt mich dahin, nicht nur die Beziehung zu Gott zu pflegen, sondern auch mit meinen Mitmenschen in Frieden leben zu wollen und das weiterzugeben, was ich von Gott bekommen habe: Vergebung. Wer daran kein Interesse hat, gleicht dem Mann aus dem Gleichnis, der nur die „billige Gnade“ suchte.

Was, wenn ich nicht vergeben kann?

Doch was ist eigentlich, wenn ich tief verletzt wurde, wenn ich vergeben möchte, aber es einfach nicht kann? Ein Grund dafür, warum mir das Vergeben schwerfällt, kann ein falsches Bild von Vergebung sein. Dann kann es mir helfen, wenn ich mir klarmache, was Vergebung bedeutet – und was nicht.

Mit Irrtümern aufräumen

Ein Irrtum über Vergebung ist, dass vergeben auch vergessen bedeutet. Das ist menschlich gar nicht möglich und es wäre auch nicht sinnvoll. Vielmehr ist es gut, aus der Vergangenheit zu lernen – auch aus den Fehlern anderer. Ein weiteres Missverständnis ist, dass Vergebung von der Reue oder dem Geständnis des anderen abhängig ist. Wenn der andere seine Schuld nicht einsieht, bleibt sie dennoch vor Gott bestehen. Ich kann trotzdem meinen Teil erfüllen und vergeben.3

Auch Gefühle sind kein Maßstab für Vergebung.4 Ich kann vergeben lernen, auch wenn sich mein Innerstes dagegen sträubt. Letztlich ist Vergebung ein Gebot, das ich halten kann, indem ich dem Anderen und Gott das Versprechen gebe, meinem Nächsten die Schuld nicht mehr vorzuhalten und mich von meiner Opferrolle zu verabschieden. Jesus fühlte sich auch nicht danach, für meine Schuld zu sterben. Deshalb bat er seinen Vater, dass „der Kelch“ an ihm vorübergehe. Doch Jesus ist letztlich nicht seinen menschlichen Gefühlen gefolgt, sondern dem Willen seines Vaters.

Wenn ich Schwierigkeiten damit habe, dem anderen zu vergeben, ist es zudem sinnvoll, mir eine Vertrauensperson zu suchen, z.B. einen Seelsorger, der mir hilft zu erkennen, wo es bei mir hakt. Was es auch ist: Vergeben lernen kann jeder. Und es ist die Mühe wert, weil es mir Lebensqualität und Freude zurückgibt.

Ein Zwischenfazit

Matthäus 6,14f zeigt mir zwei Dinge auf:

  1. Vergebung ist ein zentraler Bestandteil der Nachfolge. Wer selbst Vergebung in Anspruch nimmt, aber anderen nicht vergeben möchte, ist ein Heuchler. Demjenigen wird nicht vergeben werden, weil er Errettung ohne Nachfolge, ohne Jesus möchte.
  2. Jesus weiß, was mir guttut. Denn ich gehe letztlich selbst daran kaputt, wenn ich nicht vergebe: Ich verbittere und bleibe mit meinem Frust, meinem Ärger und meiner Enttäuschung alleine. Wenn ich aber vergebe, nimmt Gott eine große Last von mir und schenkt mir inneren Frieden.

Keine Angstmache – aber Warnung

Alle drei Bibelstellen gehen durch Mark und Bein. Sie hinterfragen mich und meine Beziehung zu Gott bis aufs Letzte. Doch ich brauche keine Angst zu haben: Solange ich Jesus nachfolge, kann ich diese unsichtbare Grenze nicht überschreiten.

Dennoch sollen mir die Aussagen als Warnung dienen. Davor, leichtfertig mit Sünde umzugehen, weil sie mich ganz unbemerkt von Jesus wegzieht. Und davor, mich auf der Gnade auszuruhen und träge zu werden. Jesus möchte keinen lauwarmen Christen, er möchte einen Nachfolger, dessen Herz für ihn brennt.

Schuldgefühle: Stolpersteine auf dem Weg der Nachfolge

Etwas, das mich auf dem Weg der Nachfolge immer wieder behindert und demotiviert, sind Schuldgefühle. Doch woher weiß ich eigentlich, wann ich wirklich schuldig geworden bin und wann es sich um falsche Schuldgefühle handelt?

Schuld an sich hat erst einmal gar nichts mit meinen Gefühlen zu tun. Jemand kann schuldig sein und keine Einsicht dafür haben. Ein anderer fühlt sich für Dinge schuldig, die weder für seinen Nächsten noch für Gott ein Problem sind. Er bekommt beispielsweise ein schlechtes Gewissen, wenn er eine Party besucht oder einem Freund eine Bitte ausschlägt.

Gründe für falsche Schuldgefühle

Falsche Schuldgefühle können unterschiedlichen Ursprungs sein. Einen negativen Einfluss auf mein Gewissen haben beispielsweise eine gesetzliche elterliche Erziehung oder eine gesetzliche Lehre in der Gemeinde. Gesetzlich ist eine Erziehung oder eine Lehre dann, wenn Traditionen und menschliche Regeln über die biblischen Gebote gestellt werden, bzw. wenn der Bibel menschliche Vorschriften hinzugefügt werden.

Ein Beispiel: Der Genuss von Alkohol ist unter manchen Christen verpönt. Die Bibel sagt jedoch an keiner Stelle, dass beispielsweise ein Glas Wein Sünde ist. Im Gegenteil: Die Bibel lobt Wein als Genuss- und Arzneimittel (Psalm 104,14-151. Timotheus 5,23). Lediglich der übermäßige Verzehr wird verurteilt (z.B. Epheser 5,18). Wer für sich selbst entscheidet, aus Selbstschutz gar keinen Alkohol zu trinken, kann das natürlich tun. Wer diese Regel jedoch seinem Nächsten als Gottes Willen aufzwingt, handelt gesetzlich. So kann es dazu kommen, dass ein Mensch beim Trinken von Alkohol ein schlechtes Gewissen bekommt, ohne dass er wirklich schuldig ist.

Echte Schuld von falschen Schuldgefühlen unterscheiden

Um echte Schuld von falschen Schuldgefühlen zu unterscheiden, sollte mein Blick zuerst in die Bibel wandern. Sagt sie etwas zu meinem Problem? Wird das, was ich getan habe, als Sünde beschrieben? Wenn die Bibel mein Verhalten als Sünde bezeichnet, ist der Fall klar. Macht die Bibel zu meinem Anliegen keine Aussagen, gilt der Grundsatz: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient dem Guten (vgl. 1. Korinther 10,23). Dient mein Handeln also nicht dem Guten, das heißt der Ehre Gottes, sollte ich es besser lassen. Zudem sollte ich mit meinem Handeln meinen Nächsten nicht unnötig in Gewissenskonflikte bringen (1. Korinther 8,9).

Die gute Nachricht

Mein Gewissen ist keine starre Instanz: Es wird durch Erziehung, Gesellschaft und Medien beeinflusst, es kann überempfindlich oder völlig abgestumpft sein. Ich kann es von Gott verändern lassen, aber es wird zu meinen Lebzeiten nicht perfekt sein. Die gute Nachricht ist trotz allem: Ich werde nicht erlöst, weil ich ein reines Gewissen habe, sondern weil Jesus mir meine Schuld vergeben hat. Johannes fasst diesen beruhigenden Zuspruch passend in Worte: „Denn wann immer unser Gewissen uns anklagt, dürfen wir wissen: Gott in seiner Größe ist barmherziger als unser eigenes Herz, und ihm ist nichts verborgen. Er, der uns durch und durch kennt, sieht nicht nur unsere Verfehlungen.“ (1. Johannes 3,20)

Wenn ich also das nächste Mal von Schuldgefühlen geplagt werde, kann ich zweierlei Dinge tun: Zum einen kann es mir helfen, meine Gefühle anhand der Bibel zu prüfen. Ist es wirklich Schuld, die mein Gewissen plagt, oder belaste ich mich unnötig? Wenn es sich um falsche Schuldgefühle handelt, kann ich Gott bitten, mein Gewissen zu korrigieren.

Wenn die Schuld nicht nur ein Gefühl ist

Komme ich zu dem Ergebnis, dass meine Schuldgefühle auf wirklicher Schuld beruhen, kann ich mich – so paradox es klingt – erst einmal freuen: Mein Gewissen scheint noch gut zu funktionieren. Ich bin sensibel für das Reden des Heiligen Geistes in meinem Alltag. In diesem Fall sollte ich die Schuld nicht lange mit mir herumtragen, sondern vor Gott um Vergebung bitten (1. Johannes 1,9).

Doch gerade bei schwerer Schuld oder bei Sünden, die ich immer und immer wieder begehe, ist dieser Schritt besonders schwer. Oft traue ich mich gar nicht ins Gebet oder ich bitte um Vergebung und nehme die Last trotzdem wieder mit in den Alltag. Manchen Christen ist es dann eine Hilfe, ihre Schuld zusätzlich vor einem anderen Menschen zu bekennen.

Die Beichte  nicht an Beichtstuhl und Pfarrer gebunden

Beichte bedeutet nicht, dass mir ein anderer Mensch meine Sünden vergibt. Das kann nur Gott. Es bedeutet vielmehr, dass mir jemand im Namen Gottes zuspricht, dass Gott mir vergeben hat. Diese seelsorgerliche Aufgabe ist nicht an einen Pfarrer oder Pastor gebunden. Als Christ ist jeder aufgefordert, seelsorgerlich zu helfen, Sünden aufzudecken, beim Namen zu nennen, einander zu helfen und zu ermahnen (Lukas 17,3). Dann, wenn jemand seine Schuld einsieht und vor Gott bringt, kann ihm die Vergebung zugesprochen werden (1. Johannes 2,12).

Die Beichte hat für mich als Beichtenden zwei Auswirkungen. Auf der einen Seite demütigt sie mich. Beichte ist nie leicht, denn der Mensch ist es nicht gewohnt, Schuld und Versagen vor anderen auszupacken. Auf der anderen Seite befreit mich die Beichte von einer großen Last. Wenn mir zudem nicht nur mein Verstand, sondern auch ein anderer Mensch versichert, dass mein Schuldenkonto vollkommen getilgt ist, kann mir das eine zusätzliche Sicherheit geben.

Ein Fazit

Jede Sünde, ob groß oder klein, behindert mich auf dem Weg der Nachfolge. Aus diesem Grund warnt mich Gott, nicht leichtfertig mit der Sünde umzugehen. Wenn ich sie immer wieder zu ihm bringe, vergibt er mir gerne. Doch Vergebung ist nicht nur ein Angebot, sondern auch ein Gebot. Wer die Vergebung Gottes dankend annimmt, ist aufgefordert, dieses Geschenk auch an andere weiterzugeben. Auch wenn es mir schwerfällt, dient es mir letztlich zum Guten: Ich werde vor Verbitterung bewahrt und darf ein Leben in echter Freiheit führen.

 

Die Frage, ob es sich in den Versen um Christen oder Nichtchristen handelt, die verloren gehen, wird bewusst außen vorgelassen. Eine Auseinandersetzung darüber würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wer sich für diese Frage interessiert, dem sei der Artikel "Heilsgewissheit" empfohlen.

2 Vgl. Bonhoeffer, Dietrich (2002): Nachfolge. Gütersloher Verlagshaus. Kapitel 1

3 Kix, Joachim (1999): Versöhnung beginnt mit mir! Lernen, von Herzen zu vergeben. Kitzingen, IGNIS, S. 67ff.

4 Adams, Jay E. (1992): 70x7. Das Einmaleins des Vergebens. Basel u. Gießen, Brunnen Verlag. S. 22f.