Wie viel Geld passt durch ein Nadelöhr?

Mag Gott reiche Christen? Und muss ich jeden Monat den Zehnten geben - oder vielleicht mehr? Antworten auf brennende Fragen rund ums Geld.

Nichts hat unseren Alltag so fest im Griff wie das Geld, Geld regiert die Welt. Die Tragweite dieser Redensart kann man nicht unterschätzen. Denn größtenteils ist unsere westliche Gesellschaft auf den Materialismus ausgerichtet. Das Geld bestimmt mich, meinen Lebensstil und mein Selbstwertgefühl. Habe ich viel, kann ich mein Leben genießen und mir etwas leisten. Habe ich wenig, reicht das Geld womöglich nur für das Allernötigste. Zwangsläufig muss ich mich intensiv mit dem Thema Geld beschäftigen, ein richtiger Umgang ist entscheidend. Bloß: Wie gehe ich richtig um mit dem „schnöden Mammon“?

Erst 2008 veranschaulichte die weltweite Finanzkrise, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld ist. Für mich als Christ stellt sich darüber hinaus die Frage, wie ich verantwortlich vor Gott mit Geld umgehen kann. Hierbei soll dieser Artikel Hilfestellung leisten.

Die Grundgedanken im Umgang mit Geld

Wer sich als Christ mit dem Thema Geld beschäftigt, stößt meist auf ein Bündel von typischen Fragen: Darf ich reich sein? Wie viel von meinem Einkommen bzw. Besitz sollte ich spenden? Oder zusammengefasst: Wie sieht ein gesunder Umgang mit Geld aus, wenn ich Christ bin? Um diese Fragen zu beantworten, benötige ich vorerst einen Perspektivwechsel weg von mir hin zu Gottes Vorstellung.

Das ist natürlich nur beschränkt möglich, da ich Gott und seine Sichtweise niemals voll und ganz verstehe. Niemand kann einen Drei-Punkte-Plan zu einem perfekten, christlichen Finanzhaushalt liefern. Dennoch gewährt Gott einen tiefen Einblick in seine Vorstellung. Die Bibel liefert wichtige Grundgedanken für einen gesunden Umgang mit Geld.

Ich bin zum Haushalter berufen

Wem gehört eigentlich mein Geld? Das ist verblüffender Weise keine rhetorische Frage. Natürlich habe ich das Taschengeld meinen Eltern oder das monatliche Gehalt meinem Arbeitgeber zu verdanken, aber auf meinem Konto befindet sich mein Geld.

Die Autoren der Bibel liefern einen anderen Standpunkt. Petrus schreibt: „Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.“ (1. Petrus 4,10). Gott gibt mir den Auftrag, alles zu verwalten, was ich von ihm empfange. Ich darf jede „gute Gabe“ gebrauchen. Letztlich ist sie aber nicht mein Eigentum. Zugegeben: An dieser Stelle spricht Petrus vor allem von den gottgegebenen Fähigkeiten. Doch ist nicht alles ein Geschenk Gottes, wie es Hiob selbst nach dem Verlust seines Habs und Gutes bezeugt (vgl. Hiob 1,21)? So ist auch mein Geld eine Leihgabe Gottes.

Mein Besitz als Leihgabe zu betrachten, ändert auch meinen Umgang damit. Meine eigenen Sachen behandle ich schon möglichst gut. Bei einem geliehenen Auto achte ich aber noch sorgsamer darauf, dass nichts geschieht. Schließlich muss ich Rechenschaft dafür ablegen. Petrus bezeichnet Christen als Haushalter Gottes. Gott überträgt mir die Verantwortung für seinen Besitz, alles ist eine Leihgabe. Diese Sichtweise ist ein erster Schritt auf dem Weg zum Perspektivenwechsel.

Ich bin zur Treue berufen

„Wer den Cent nicht ehrt, ist den Euro nicht wert“. Ein Sprichwort, das durchaus biblisch ist. Jesus zeigt einen krassen Zusammenhang auf. Er nutzt den Umgang mit Geld als Vergleich dafür, wie ich mein Leben gestalte. Er sagt: „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen?“ (Lukas 16,10+11).

Jesus sieht meinen Umgang mit Geld als Reifeprüfung: Wer Treue im Umgang mit Geld und Besitz beweist, wird auch mehr von Gott übertragen bekommen: Seinen Segen, eine sinnvolle Aufgabe und schließlich das ewige Leben. Ich bin zwar nicht verloren, wenn ich mit Geld nicht umgehen kann. Wie aber will ich treu mit großen Gütern umgehen, wenn ich schon im Umgang mit unwichtigen Gütern wie Geld versage?

Zur Sorglosigkeit berufen

Eine kurze Klärung vorab: Sorglosigkeit meint nicht den völlig unvernünftigen Umgang mit Geld. Eher das Gegenteil. Gemeint ist, ohne Sorge an die Thematik heranzugehen. Die Verantwortung als treuer Haushalter kann mich unter Druck setzen. Aber Gott wartet nicht darauf, dass etwas schief geht. Er kümmert sich vorsorglich um mich – damit ich mich nicht mehr sorgen muss.

In Matthäus 6,26-34 erklärt Jesus, was er damit meint. Ich soll mich nicht um meine Nahrung oder meine Kleidung sorgen. Gott weiß, was ich brauche, also gibt es keinen Grund zur Sorge. Jesus sagt: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (V. 34)

Das bedeutet nicht, dass ich von Gott mit materiellem Reichtum beschenkt werde, wenn ich mich für ihn einsetze. Wohl aber sorgt er für meinen Lebensunterhalt. In der Bibel gibt es viele Beispiele, wie der sorgenfreie Umgang mit Geld zu großem Segen Gottes führte. Dennoch befreit mich die Sorglosigkeit nicht zwingend von finanziellen Problemen. Sie schenkt mir aber Ruhe. Meine Versorgung liegt nicht in meiner Verantwortung, denn Gott selbst kümmert sich darum.

Das Grundgesetz im Umgang mit Besitz

Zu den christlichen Grundsätzen gehört die Nächstenliebe. Ihre Bedeutung vermittelt Gott für das Volk Israel ganz praktisch in den Zehn Geboten (vgl. 2. Mose 20,2-17). Hier ist unter anderem vom Eigentum die Rede, besonders vom Umgang mit dem Besitz meines Nächsten. „Du sollst nicht stehlen“, lautet das achte Gebot (V. 15). Noch präziser auf materielle Güter bezogen sind das neunte und das zehnte Gebot: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus […,] Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat“ (V. 17). Diese Gebote gehen über den Diebstahl hinaus und verurteilen Neid und Habgier. Sie sind die Wurzeln des Diebstahls und werden gerade in einer Konsumgesellschaft besonders deutlich.

Darf ich als Christ reich sein?

Den Wunsch, finanziell abgesichert zu sein, haben die meisten Menschen. Schon ein bisschen Puffer würde so manches Problem beseitigen. Darf ich als Christ so denken und mir wenigstens ein bisschen Reichtum gönnen oder bin ich zu einem spartanischen Lebensstil verpflichtet?

In der Tat sprechen einige Stellen in der Bibel scheinbar unmissverständlich gegen jegliche Form des Reichtums. In der Bergpredigt sagt Jesus: „Niemand kann zwei Herren dienen […]. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Matthäus 6,24) Mit dem griechischen Wort „Mammon“ ist im Deutschen eindeutig Reichtum, Vermögen oder Geld gemeint.

Es wäre aber falsch anzunehmen, dass Jesus mit diesem Wort den Reichtum in jeglicher Form verbietet. Ich diene Gott, indem ich ihm die Fäden meines Lebens in die Hand gebe. Diene ich dem Geld, werde ich von meinen Finanzen gelenkt. Habe ich nun viel Geld, muss es mich nicht zwangsläufig in der Hand haben. Schließlich kann ich mit viel Geld auch viel Gutes tun. Die Gefahr ist aber größer, seine Sicherheit im Geld zu suchen.

Deshalb ermahnt mich Jesus an dieser Stelle, wachsam zu beobachten, was in meinem Leben wichtiger ist. Er fordert dazu auf, sich ehrlich zu hinterfragen: Was von beidem regiert mein Leben: Gott oder das Geld? Oder anders formuliert: Was erfüllt mein Leben mit Sinn und wovon ist es abhängig?

Als Christ zur Armut verpflichtet?

Die Geschichte vom reichen Jüngling ist eine weitere spannende Bibelstelle, die den Reichtum kritisiert. Der junge Mann fragt Jesus, wie er in den Himmel kommt. Da er behauptet, seit jeher die Zehn Gebote einzuhalten, sagt Jesus: „Verkaufe, was du hast, und gib‘s den Armen […] und komm und folge mir nach!“. Damit hatte der Reiche nicht gerechnet und ging traurig weg (vgl. Matthäus 19,16-26). Jesus sorgte durch diesen Umgang für Aufregung und er ging noch weiter. Er sprach zu seinen Jüngern: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ (V. 24)

Jesus löst die entstandene Spannung auf und versichert: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ (Matthäus 19,26) Hier geht es nicht mehr nur um die Reichen. Aus menschlicher Kraft ist es tatsächlich unmöglich, ins Reich Gottes zu kommen, sowohl für die Reichen als auch für die Armen. Gewissermaßen kann ich in beiden Situationen Gott in den Hintergrund drängen. Durch Reichtum kann ich überheblich werden, durch Armut bestimmen möglicherweise Sorgen um die eigene Existenz meine Gedanken. Das Problem ist also nicht das Geld, sondern die Frage, ob ich mein Herz mehr daran hänge als an Gott.

Wie viel muss ich spenden?

Die Autoren der Bibel sprechen an einigen Stellen vom Zehnten. Dort ist gemeint, zehn Prozent seiner Einkünfte oder Ernte Gott zur Verfügung zu stellen. Die Abgabe des zehnten Teils als Gesetz wird erstmals in 3. Mose 27 erwähnt. Was verwundert: Im Lauf der biblischen Geschichte finden sich unterschiedliche Zehnte. Ein Zehnter für die Leviten (vgl. 4. Mose 18,21), ein Zehnter für den Tempel (vgl. Maleachi 3,10), zudem brauchen die Armen finanzielle Unterstützung von denen, die geben können (vgl. Sprüche 28,27).

Das Neue Testament hebt den Zehnten nicht auf. Nur an einer Stelle findet sich eine Kritik an den Schriftgelehrten, die nur Wert auf ihre Heilige Schrift legten und nicht berücksichtigen, dass Glaube eine Herzensangelegenheit ist (vgl. Matthäus 23,23). Im Neuen Testament findet sich ansonsten keine Stelle, die sich explizit auf den Zehnten bezieht.

Zehn Prozent für mein Seelenheil?

Welche Bedeutung hat der Zehnte heute? Sicher ist, dass er keine Auswirkungen darauf hat, ob ich nach dem Tod bei Gott sein kann oder nicht. Der Zehnte ist nicht heilsnotwendig. Ich schließe als Christ auch kein Abonnement ab: Ich bekomme Gottes Segen, wenn ich monatlich zehn Prozent meines Einkommens abgebe. Genauso bin ich kein besserer Mensch, wenn ich mehr als den Zehnten pro Monat gebe, aber auch kein schlechterer, wenn ich weniger gebe. Ich muss nicht verbissen überlegen, ob ich mein Geld in die Gemeinde investiere oder doch lieber in eine Missionsgesellschaft. Wenn ich etwas gebe, soll es aus freien Stücken und in Liebe geschehen, nicht aber aus einer Verpflichtung heraus oder um mein Gewissen zu beruhigen. Der Zehnte ist also mehr ein Richtwert als ein Gesetz.

Den Spieß umgedreht

Nehme ich mir die Bibel zu Herzen und praktiziere das Geben, regiert mich das Geld nicht mehr. Ich lerne die Macht des Geldes zu gebrauchen – nicht zu falschen Zwecken, sondern zum Nutzen für mich und besonders für mein Umfeld. Schließlich habe ich die Macht über mein Geld, nicht umgekehrt.

Geld ist nicht nur schnöder Mammon (Lukas 16,9), sondern ein Medium, das zu vielem Guten in der Lage ist, solange ich es gewissenhaft einsetze und nicht egoistische Ziele verfolge. Ich kann wichtige Hilfsprojekte mitfinanzieren, Armen helfen und Kranken eine angemessene Versorgung gewährleisten. Warum sollte mir die Bibel auch den Umgang mit Geld verwehren, wenn ich es auch zum Guten verwenden kann? Es ist nur logisch, dass ich in der Bibel Ratschläge zu eben diesem Umgang finde, anstatt das Geld zu verteufeln.

Es geht nicht um Askese

Aber niemals geht es darum, jeden überschüssigen Cent in solche Projekte zu investieren. Paulus hat diese Spannung aufgehoben, indem er schrieb: „Wenn der gute Wille da ist, so ist er willkommen nach dem, was einer hat, nicht nach dem, was er nicht hat. Nicht, dass die andern gute Tage haben sollen und ihr Not leidet, sondern dass es zu einem Ausgleich komme.“ (2. Korinther 8,12+13). Die Betonung liegt auf dem guten Willen und auf dem Ausgleich. Das Herz muss es wollen – aber bitte den Kopf dabei nicht ausschalten.

Es geht nicht darum, dem Geld zu entsagen, aber auch nicht darum, alles zu horten. Weder das eine noch das andere Extrem ist sinnvoll. Trotzdem kann es helfen, mit Geld so umzugehen, als besäße ich es gar nicht (vgl. 1. Korinther 7,29-31). Ich habe dann die Freiheit, über mein Geld zu verfügen – und nicht umgekehrt. So ist es möglich, einen gesunden Umgang mit Geld zu erlernen, den ich jederzeit vor Gott rechtfertigen kann als sorgenfreier und treuer Haushalter.